Mittwoch, 30. März 2016

Das Brevier - Christus mit Dir


Dieser Tage bewegte mich einiges in, aus und um das Brevier ... nicht zuletzt die Stelle aus einer Brevierbetrachtung, die ich auf einem befreundeten Nachbarblog am Ostermontag fand. Wie oft flogen bei mir schon die Seiten, wie schnell die Worte dahin. Aber was blieb mir davon im Herzen? Was sind mir heilige Bücher, Schriften, Zeichen? Was würde uns schon die Schöpfung, die vom Menschen geformte Welt erzählen, sähen wir sie wie die Väter in ihrem geistlichen Sinn. Wie viel mehr könnten wir, könnte ich schöpfen aus den geistlichen Dingen, sähe ich sie als das, was sie sind. Das ledergekleidete Kleinoktav ist Christus in meiner Hand. Seh' ich ihn hier nicht, hör' ich ihn hier nicht - wie will ich ihn dann erst sehen und hören, wenn ich eins bin mit ihm?
»Jeden Tag liest Du die die Heiligen Bücher, und sie erzählen Dir von der göttlichen Vorsehung, von der Kraft Gottes, dessen Arm nicht gekürzt ist, vom Geheimnis des Bösen hier drunten, von der Notwendigkeit des Leides und der Verfolgung, aber für Dich ist das alles bloß Zierde, eine gewitzte Pointe für die Predigt; Du hast dich nie selbst voll davon überzeugt, es hat Dein Herz nicht durchdrungen.
Was machst Du überhaupt mit Deinem Brevier? Ist es nicht Dein wahrer Reisegefährte? Ist es nicht Christus selbst, der in der Gestalt des Propheten, des Apostels, des Märtyrers oder des Heiligen, kostbare und praktische Lebensanleitungen gibt? Du hältst eine Truhe kostbarster Edelsteine in Deinen Händen, und Du hast nicht den Verstand, auch nur eine zu Deiner geistlichen Zierde hervorzuholen. Du besitzt einen Schatz der Weisheit, des Rates, der Gebote und Vorbilder; und Du machst nicht die leiseste Anwendung dieser Worte für das Wohl Deiner Seele. Wenn dort Christus zum Beispiel sagt: ›Musste nicht Christus dies alles leiden und so in seine Herrlichkeit eingehen?‹, denkst du auch nur eine Minute daran, dass der gleiche Maßstab weiterhin für seine lebendigen Glieder gilt?« 

Freitag, 25. März 2016


Caligaverunt oculi mei a fletu meo:
quia elongatus est a me, qui consolabatur me.
Videte omnes populi, *
Si est dolor similis sicut dolor meus.

Umnachtet sind meine Augen von meinem Weinen,
denn fern von mir ist der, der mich tröstete,
Sehet, ihr Völker alle,
ob ein Schmerz gleich sei meinem Schmerz. 

Text: Letztes Responsorium der Karfreitagsmette.
Bild: In der Redemptoristenmission Atyrá, Paraguay.

Montag, 21. März 2016

Lasst des Vaters Glanz uns schauen


In drei Hymnen singen die Benediktiner den Preis ihres Ordensvaters am heutigen Tage. Der Patriarch wird darin geehrt nach der Typologie alter hagiographischer Tradition, derer sich auch Gregor in seinen Dialogen bediente. Die Großtaten Benedikts, sie sind aufs engste verknüpft mit den Wunderwerken der berühmtesten Trägern der Offenbarung. Ist Benedikt nicht Moses gleich, der Wasser aus dem Felsen hervorbringt; nicht wie ein zweiter Elisäus, der das Werkzeug aus den Fluten zieht; lässt er nicht seinen Zögling Maurus wie Petrus über die Wasser schreiten; ist ihm nicht ein Rabe zu Diensten wie dem Elias, und weint er nicht über den Tod seines Verfolgers, wie dereinst König David?
Freilich soll uns diese Aneinanderkettung von Wunder- und Tugendtaten nicht nur in bewundernder Ehrfurcht vor dem Mönchsvater dastehen lassen oder gar in glotzender Schaulust. Benedikt ist nicht in erster Linie Thaumaturg. Für Gregor zeigt sich hier vor allem, dass der Umbrer "vom Geist aller Gerechten erfüllt war". Der heilige Benedikt war demnach den erhabenen Gestalten, den Patriarchen, Propheten und Aposteln würdig. Aber erst nachdem das Gros der Wunderwerke vollbracht war, als der Gottesmann zur Vollreife gewachsen war (und lehrt uns das nicht, erst selbst geistlich zu reifen, bevor wir allerlei äußere Werke anstellen wollen?) reist Benedikt von Subiaco nach Monte Cassino, um sein eigentliches Werk, ja, das ihm eigentümlichste und größte und, nach alter Prophetie, bis zum Ende der Zeiten nicht abgeschlossene Wunder zu vollbringen: den Grundstein zu legen für das benediktinische Mönchtum. Trösten soll, so spricht die Tradition, der Orden die Kirche Roms in den letzten Tagen und den Glauben Vieler bekräftigen. Und schaut man nach Fontgombault, nach Barroux ... dann kann man kaum anders, als selbst Glauben an das alte Versprechen zu gewinnen.

Noch ein Wort zu Benedikt und Fastenzeit: Der Mönchsvater ging in den Entbehrungen der Quadragesima in die Herrlichkeit des ewigen Labsals ein. Kann er uns darum nicht in besonderer Weise Lehrer und Helfer sein, auf diesen wenigen letzten Schritten bis zum Osterfest, das Fleisch zu bekämpfen und dem Geiste untertan zu machen, wie er es tat, und den Blick von der Erde abzuwenden - wer weiß mehr über die Nichtigkeit und Vergänglichkeit alles Zeitlichen, als der Benediktinerorden - und auf den Himmel zu richten. 

Bitt' also für uns, Du Einsiedler und Lehrmeister, Abt und Vater, Gesetzgeber und Apostel ... Du großer Heilige Europas. Und anstelle der oben angesprochenen Hymnen gibt es hier die Sequenz Laeta Dies aus dem Missale Monasticum (hier gesungen von den Söhnen Benedikts aus Fontgombault):

Wieder kehrt der Tag der Wonne,
Da uns Licht der neuen Sonne
Unsres Führers Glorie bringt.

Gnade quillt dem frommen Sinne,
Und im Herzen künde Minne,
Was der Mund frohlockend sind.

Laßt des Vaters Glanz uns schauen,
Da er zieht in Himmelsauen
Auf das Morgenlichtes Pfad.

Wie die Sonne schuf er leben
Und gleich Abraham gegeben
Ward ihm reichen Samens Gnad.

Schau den Raben dienend eilen,
Ihn in enger Höhle weilen,
Des Elias treues Bild.

Elisäus mag verehren,
Da das Beil siehst wiederkehren
Aus des Stromes Fluten wild.

Unschuld leiht ihm Josephs Zierde,
Und geschmückt mit Jakobs Würde,
Schaut sein Blick in ferne Zeit.

Eingedenk nun seiner Herde,
Führ' er uns vom Leid der Erde
In des Himmels ew'ge Freud. Amen.

Übersetzung nach dem Anhang zum Schott-Messbuch: Die gemeinsamen Eigenmessen des Benediktinerordens.
Bild: Verehrung der Muttergottes durch die hll. Benedikt und Franz, Benediktuskapelle in St. Ulrich und Afra, vormalige Benediktinerabtei, Augsburg.

Sonntag, 20. März 2016

Mehr als Palmen

Nachdem ich heute an den Zeremonien der Dominica in palmis im neuen Ritus teilnahm, sprang mir - ausgerechnet - der wahrscheinlich größte Mangel des Messbuches von 1962 ins Auge: die sogenannte wiederhergestellte Liturgie der Karwoche. Selbst die paulinische Messe macht es in Teilen besser. Wieder-wiederhergestellt aber hat gottlob das Ordinariate Missal der unierten Anglikaner einige Elemente der wirklich alten Karliturgie, aus der Zeit, als man sich noch nicht daran zu schaffen machte, liturgische Texte am grünen Tisch (oder am Kneipentresen wie Prex Eucharistica ii) in imaginierte Formen christlichen Urschleims zu pressen. Die Engländer weisen den richtigen Weg. Zurück in die Zukunft!

Mehr dazu beim gelahrten anglo-katholischen Oxfordianer, Fr. Hunwicke, auf dessen Blog Mutual Enrichment.

PS: Eine Auswahl aus den alten Weihegebete zum Palmsonntag gibt es beim Kollegen Andreas in einem Beitrag aus dem Jahr 2013.

Freitag, 18. März 2016

Nur durch sie hindurch

Ja, o selige Mutter, wahrhaftig hat ein Schwert deine Seele durchdrungen. Es konnte ja nur durch sie hindurch den Leib deines Sohnes treffen. Nachdem dein Jesus seinen Geist ausgehaucht hatte, erreichte die grausame Lanze, die ihm die Seite öffnete, seine Seele nicht mehr, wohl aber durchbohrte sie deine Seele. Seine Seele war ja nicht mehr da, die deine aber konnte sich nicht losreißen.
Bernhard von Clairvaux: Sermo de 12 stellis BMV. In den Metten zum Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariens nach der alten Lesordnung des Römischen Breviers.
Bild: aus St. Nikolaus, Stadtbergen.