Samstag, 30. Januar 2016

Columba Marmion zum Gedächtnis

»Unter den Seelen, die Gott suchen, finden sich manche, die nur mit großer Mühe zu ihm gelangen. Die einen haben keinen bestimmten Begriff davon, worin eigentlich die Heiligkeit besteht. Sie kennen den Heilsplan nicht, den Gottes Weisheit entworfen hat, oder sie lassen ihn beiseite und sehen die Heiligkeit in dieser oder jener ihrem eigenen Geiste entsprungenen Auffassung ... Andere besitzen eine klare Erkenntnis über Einzelheiten, aber es fehlt ihnen die große Linie, der Überblick ... Es ist also eine äußerst wichtige Sache, zu laufen auf dem Wege, wie Paulus sagt, aber nicht ins Ungewisse, sondern so, daß man das Ziel erreiche, (1 Kor 9,26) ... Wir wollen also im Licht der Offenbarung den Heilsplan Gottes über uns betrachten; diese Betrachtung wird für unsere Seele eine Quelle des Lichtes, der Kraft und der Freude sein.«
Den Heilsplan Gottes über uns betrachten - so lässt sich trefflich das Wesen der geistlichen Werke Columba Marmions beschreiben. Quelle seiner Spiritualität, ganz in der Tradition der Söhne Benedikts verwurzelt, ist die Schrift im Licht der Väter und die kirchliche Liturgie. Schriftworte sind für Dom Marmion nicht Gegenstand trockener historisch-kritischer Bearbeitung - die stets kritisch in jedem Wortsinn, aber oft wenig historisch ist - sondern der Betrachtung, der lectio divina, aus der er lebte. Ziel und Mittelpunkt der Offenbarung ist Jesus Christus, und schon das Alte Testament ist auf ihn hingeordnet, kann und muss auf Christus und sein Erlösungswerk hingedeutet werden. Zur Erkenntnis dieser Typen gelangt man nicht bloß durch das Väterstudium - man muss vielmehr, wie die Väter, selbst unter Führung des Heiligen Geistes zu deren Erkenntnis und Bedeutung gelangen, sei es die Berufung Abrahams, das Leben Isaaks in Genesis, das Zeichen der ehernen Schlange in Numeri, das Manna vom Himmel, das Paschalamm, die Wolkensäule, die Durchschreitung des Roten Meeres in Exodus, die Geschichte einer Liebe im Hohenlied ... Hier sehen wir Gottes Wirken in der Weltgeschichte, die sich fortsetzt in der Geschichte Israels ... und schließlich in Jesus Christus ihren Höhepunkt findet und im Neuen Testament ausgefaltet wird. Wenn wir also im Sinne Marmions und der Väter Schrift betrachten, reicht nicht bloß ein einmaliges Drüberlesen vielleicht längst bekannter Stellen. Die Seele muss sich immer tiefer versenken in die unerschöpflichen Reichtümer des Textes, jeden Satz, jedes Wort auskosten, verinnerlichen - und sich daraus wieder Gott in Lob und Preis, in Bitte und Anbetung zuwenden. So kann sich auch Altbekanntes immer wieder neu enthüllen, immer wieder leuchten neue Zusammenhänge der Heilsgeschichte auf ... die wiederum die Richtschnur für unseren Tag nach der Betrachtung sein können, ja vielleicht sogar für ein ganzes Leben. Eingeführt werden sollen wir durch die Schriftbetrachtung also nicht etwa in eine Art weltliches Wissen, sondern in die Erkenntnis Jesu Christi, qui est in sinu patris.

Genau so verhält sich Columba Marmions Zugang zur Liturgie. Wiederum geht es nicht um eine äußerliche Beschäftigung, erst recht die schon zu seiner Zeit heftig diskutierte Umformung der Gestalt der Liturgie liegt ihm fern. Beteiligung an der Liturgie ist da nicht zuallererst Aufstehen, Sitzen, Knien oder Mitsprechen - es geht um ihren Inhalt, das Kennenlernen Jesu Christi, auf das uns die Schrift vorbereitet hat, und das neue Miterleben der Geschehnisse im Leben Jesu. Wir gelangen, um mit den Worten des Abtes zu sprechen, mit der Kirche und ihrer Liturgie unfehlbar zur Kenntnis der Geheimnisse Christi und dringen in die Gesinnungen seines göttlichen Herzens ein.

Vielleicht kann dieser Zugang auch uns eine Hilfe darin sein, zur Kenntnis Jesu Christi zu gelangen und ihn zum Leben unserer Seele werden zu lassen, um damit das Ziel des göttlichen Heilsplanes zu verwirklichen, welches Er von Ewigkeit vorbestimmt hat: In laudem gloriae gratiae suae, zum Lob der Herrlichkeit Seiner Gnade (Eph 1, 6).

Eingangsworte entnommen aus Christus, das Leben der Seele. Paderborn: Schöningh-Verlag 1931, S. 2f.

Freitag, 29. Januar 2016

Der liebliche Lehrer

Da es jüngst hier und dort um die besondere Züchtigung des Leibes ging, zu der uns der Heiland und seine Apostel aufriefen, die das Lehramt stets so dringend empfohlen hat und bis vor kurzem fester Bestandteil des religiösen Lebens war ... wollte ich doch mal schauen, was der zuweilen zum honigsüßlichsten Lehrer karikierte Franz von Sales dazu sagt. Und, wie wäre es auch anders zu erwarten, rät er den Weltleuten zu großer Mäßigung und Zurückhaltung - was nutzt es auch, wie einst Balaam die Eselin, das Fleisch mit Geißelhieben zu belegen, wenn es da sprechen kann:
»Warum schlägst du mich, Elender: Gegen dich, meine Seele, wendet sich Gottes Zorn. Du bist die Verbrecherin. Warum führst du mich in schlechte Gesellschaft? Warum mißbrauchst du meine Augen, meine Hände, meine Lippen zur Unkeuschheit? Warum verwirrst du mich durch schlecht Vorstellungen? Erwecke gute Gedanken, dann werden meine Handlungen nicht schlecht sein; verkehre mit anständigen Leuten, und ich werde nicht von unreinen Begierden geplagt sein. Du bist es, der mich ins Feuer wirft, und willst nicht, daß ich brenne; du treibst mir den Rauch in die Augen, und willst nicht, daß sie entzündet sind.«
Von diesen Voraussetzungen ausgehend, nämlich, die Abtötung der Sinne, des Verstandes, des Gedächtnisses zu allererst zu pflegen ... was versteht der Heilige nun unter dem rechten Maß? Der damals 33-jährigen Witwe und vierfachen Mutter Johanna Franziska von Chantal riet er:
»Es wird mitunter gut sein, sich fünfzig oder sechzig oder auch, je nach Ihrem körperlichen Befinden, dreißig Schläge mit der Bußgeißel zu geben. Es ist merkwürdig, wie trefflich dieses Rezept bei einer mir bekannten Seele gewirkt hat. Es ist leicht zu begreifen, dass der äußere Schmerz einerseits die Gedanken von der inneren Qual und Drangsal ablenkt und andererseits Gott zum Erbarmen bewegt; abgesehen davon, dass der böse Feind, wenn er sieht, wie wir auf das Fleisch, seinen Parteigänger und Verbündeten, losschlagen, in Furcht gerät und die Flucht ergreift.«
30 bis 60 Schläge. Für Frauen und Mütter mit schwächlicher Konstitution. Auch das ist der Honig des Genfer Fürstbischofes.

Wer sich noch mehr für Abtötungsübungen interessiert, ihren Nutzen, ihre Notwendigkeit gerade für die unsrige Zeit, und die falschen Einwände dagegen ... dem sei ein Kapitel aus dem Buche Der Fortschritt der Seele im geistlichen Leben  Fr. Fabers ans Herz gelegt.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Das Genie des hl. Thomas

»Sie sagen (...), dass die modernen philosophischen Systeme getauft werden sollten, wie der hl. Thomas den Aristotelismus getauft hat. Dafür aber wären zweierlei Dinge notwendig. Es wäre erstens nötig, das Genie des hl. Thomas zu besitzen, und dann müssten die modernen philosophischen Systeme taufbar sein. Um taufbar zu sein ist eine Seele nötig. Ein System, das gänzlich auf einem falschen Prinzip beruht, kann nicht getauft werden.«
Réginald Garrigou-Lagrange OP: La structure de l'Encyclique Humani generis. In: Angelicum 28 (1951), 9f. 

Mittwoch, 20. Januar 2016

Der vollkommene Soldat

Deus, qui per beatissimum Sebastianum Martyrem tuum, turoum fidelium animos roborasti: dum tibi illum latentem sub chlamyde terrena imperii, militem perfectum exhibuisti, fac nos semper in tuis laudibus militare: os nostrum arma documento justitiæ: cor illustra tuæ dilectionis amore, atque carnem nostram erutam libidine clavis tuæ crucis adfige.
O Gott, der Du durch Deinen heiligen Martyrer Sebastian den Herzen Deiner Gläubigen Stärke verliehen hast: da Du ihn, während er verborgen war unter dem Kriegsmantel eines irdischen Befehlshabers, Dir selbst als vollkommenen Soldaten aufgestellt hast: lass uns immer zu Deinem Lobe streiten, bekräftige unsere Kampfesrede mit der Lehre Deiner Gerechtigkeit: erleuchte unsere Herz mit der Liebe Deiner Liebe, und nach der Befreiung unseres Fleisches von der Begierlichkeit, hefte es an Dich mit den Nägeln Deines Kreuzes.
Text: Oration aus dem Missale Gothicum.
Bild: Aufgenommen in Herz Jesu, Pfersee. Augsburg feiert bis zum Sonntag Sebastiani-Oktav in der ehemaligen Kapuzinerkirche St. Sebastian. 

Dienstag, 19. Januar 2016

Nunquam peribit


Gestern - zum Schreiben kam ich da leider nicht mehr - wurde ich an den Todestag von Fritz Esser erinnert. Der Name wird vermutlich niemandem etwas sagen, und er gehörte beileibe auch nicht zu den Großen dieser Welt. Und gewiss wollte er das auch niemals sein. Im Jahr 1900 in einfachen Verhältnissen im Rheinhessischen geboren, sein Vater starb bald darauf ... war wohl das erste Bemerkenswerte in seinem jungen Leben, dass er nach einer gefährlichen Krankheit im Kindesalter den Wunsch äußerte, Priester zu werden. Nur durch die Hilfe des Pfarrers wurde es dann auch finanziell ermöglicht, dass Fritz Esser ins Internat der Pallottiner nach Schönstatt kam. Schwer hatte er es aber auch da, die Schule schaffte er nur mit Müh und Not ... und gleich folgte die nächste Not, in den letzten Kriegsmonaten wurde er eingezogen, kam aber aufgrund schwacher Konstitution nicht mehr an die Front. Schließlich begann er sein Noviziat bei den Pallottinern, das ein kurzes bleiben sollte ... denn beim Kartoffelbetteln in meiner Westerwälder Heimat zeigten sich die ersten Anzeichen einer Tuberkulose. Nach dreijähriger Krankheit schied er dann dahin.

Was ist dabei nun die Moral von der Geschicht? Die sich doch so anhört, wie die Geschichte vieler scheinbar so überfrommen, schwächlichen Jünglinge? Abgesehen vom beispielhaft mannhaften, geduldigen und hochherzigen Ertragen aller Opfer, Leiden und Kreuze dieses Lebens zum Erwerb der ewigen Krone ... fasste er seine Lebenserfahrung in die wenigen kleinen Worte, die heute wohl weltbekannt sind ... und die vielen, ob groß ob klein, alt oder jung, stark oder schwach ... die nötige Kraft und die nötige Hoffnung gibt in den vielen Fährnissen und Widrigkeiten des Lebens: Servus Mariae nunquam peribit, ein Diener Mariens geht niemals zugrunde. Es sind Worte, die zweifelsohne unterm Kreuz gewonnen wurden.
Als Sakristan der kleinen Kapelle, die heute als Urheiligtum bekannt ist, schnitzte er den Lichtbogen mit dem benannten Ausspruch um die Dreimal Wunderbare Mutter von Schönstatt. Angelehnt dürfte der wohl an die dem hl. Ignatius Märtyrer zugesprochenen Worte sein, Numquam peribit, qui Genitrici Virgini devotus, sedulusque Cultor exstiterit, ein andächtiger und eifriger Verehrer der Jungfrau-Mutter wird niemals zu Grunde gehen. Ähnliches formulierten andere Heilige immer wieder über die Zeiten.

Ich selbst erstand meinen ersten selbstgekauften Rosenkranz, gerade, als ich mich erstmals intensiver mit dem Glauben auseinandersetzte, in Schönstatt. Mag man von allem Drumherum halten, was man will ...  mit dem Nunquam peribit begann mein Weg zum und in den Glauben, dort, vor dem ausgesetzten Allerheiligsten ... und mit dem Nunquam peribit, so bitt' ich, wird mein Lebensweg hoffentlich auch einmal enden, komme, was da wolle.

Samstag, 16. Januar 2016

»Der goldene Faden« - Noch einmal Miterlösung

Quae altior est caelis et purior solis radiis, quae nos salvavit a maledictione, Dominatricem mundi, hymnis honoremus.
Die erhabener ist als der Himmel und reiner als der Sonne Strahlen, die uns erlöst hat vom Fluche, die Weltgebieterin, wollen wir mit Hymnen rühmen.
- aus dem ruthenischen Stundengebet


Aufgrund verschiedener Kommentare im nun nicht mehr jüngsten Beitrag auf hiesiger Seite war es mir zunächst ein Anliegen, über die Prinzipienlehre, Methoden und Grenzen der Mariologie zu schreiben. Nähern kann man sich der demütigen Magd des Herrn freilich auf verschiedenste Weise, etwa anthropozentrisch, über Marias vorzüglichste Berufung als Frau, als Mutter alles Lebendigen, ekklesiozentrisch bzw. ekklesiotypisch als Urbild und Mutter der Kirche; christozentrisch, wo die Mariologie klassischerweise verortet wird, die Muttergottes; als Tochter des Vaters, Braut des Wortes und sacrarium des Heiligen Geistes trinitarisch*, als Braut des Hl. Geistes auch insbesondere pneumatologisch ... das Thema der Mitwirkung Mariens an der objektiven Erlösung des Menschengeschlechts ist eines, welches vor allem aus theozentrischer Sicht, aus ihrer Prädestination erwächst und in die Christologie mündet. Beim aktuell behandelten Thema sind wir also genau da, wo die Mariologie sich nach Weise der Altvorderen her definiert: als Wissenschaft von der Mutter Gottes, und in der gegenwärtigen Heilsökonomie, des göttlichen Erlösers.

Aber genug davon, ich wollte oder musste doch nun zuerst einmal auf einen Einwand eingehen, den ich nicht zu lange unbeantwortet lassen möchte. Vorgebracht wurde dabei auch das Wort von der Herrenmagd, und hier sind wir gleich auf der richtigen Fährte.
Zu beachten ist nämlich, dass das geistliche connubium, welches der Logos in der Inkarnation mit der Menschheit eingeht, durch die Vertretung der Jungfrau im Ecce ancilla Domini, fiat mihi secundum verbum tuum zustande kam. In der Ehe macht der Konsens das Wesen des Sakramentes aus, und so gehörte der Konsens der allerseligsten Jungfrau wesentlich zum Zustandekommen des Ursakraments, welches die Fleischwerdung und damit auch die Gottesmutterschaft ist. Mitwirkung steht bei der neuen Eva, der Gehilfin des neuen Adam, die ihm entspricht, an an erster und höchster Stelle. Wie Christus dem Willen des Vaters folgt und so das Werk der Erlösung bewirkt, so besteht Marias Mitwirkung wesentlich in der liebenden und andauernden Annahme ihrer Berufung in Unterordnung an den Willen Gottes. Universelle Tragweite, schreibt Schmaus, musste also auch ihr Ja-Wort unter dem Kreuze haben, wie auch ihr Ja-Wort auf die Engelsbotschaft von universeller Bedeutung war - beide gesprochen nicht aus eigener Kraft, sondern in Gnadenfülle.

Es deutet sich vielleicht langsam an, dass der Titel der Coredemptrix oder Adjutrix Redemptionis nicht nur, wie ein Kommentator meinte, sich bloß als ornamenthaftes Beiwerk, als schmückender Zierrat in eine Litanei marianischer Lobpreisungen fügt. Vielmehr muss mit Manfred Hauke davon gesprochen werden, dass »die Verbindung der Gottesmutter mit der Erlösung (...) nicht irgendein Juwel im Kranz der Gnaden Marias [ist], sondern gleichsam der goldene Faden, der alle Edelsteine zusammenhält

Zum Abschluss soll dann noch einmal Johannes Brinktrine zu Worte kommen, der den hier angerissenen Gedanken in großer Klarheit und Einfachheit zusammenfasst:
»Christus hat uns durch sein ganzes Leben erlöst: Qui propter nos homines et propter nostram salutem descendit de caelis. Die Menschwerdung und damit das ganze menschliche Leben und Wirken des Heilandes hatten einen soteriologischen Zweck, ja die Inkarnation ist selbst schon soteriologisch. Mit bestimmten Akten des Lebens Jesu ist aber die allerseligste Jungfrau unauflöslich verbunden: man denke nur an die Empfängnis, die Geburt und die Kindheit des Erlösers. Durch diese Akte hat sie also sicher mitgewirkt zu unserer Erlösung. Ist dies aber der Fall, dann ist es ganz entsprechend und anzunehmen, daß auch ihr Mitleiden unter dem Kreuze und ihr Eingehen in die Opferintention des Herrn zu unserer Erlösung beitrugen und mitwirkten. Auf die durch den Kreuzestod vollzogene Erlösung ist ja, wie bemerkt, die Inkarnation und das ganze Leben des Heilandes bezogen: es kulminiert in seinem blutigen Opfertod und in der in ihm vollbrachten, vollendeten Erlösung. Es wäre ein Riß da, wenn eine Beteiligung der heiligen Jungfrau an der Erlösertätigkeit Christi während seines Lebens zugestanden, beim Tode aber geleugnet würde: Leben und Tod des Herrn bilden eine Einheit.«
Johannes BrinktrineDie Lehre von der Mutter des Erlösers. Paderborn: Schöningh-Verlag 1959, S. 104 und 
Manfred Hauke: Maria, Gefährtin des Erlösers (Lumen gentium, 61) - Die Mitwirkung Mariens bei der Erlösung als Forschungsthema. In: Sedes Sapientiae. Mariologisches Jahrbuch Jg. 6. Hrsg. von German Rovira und Johannes Stöhr. Bd. 1-2. Kisslegg: Internationaler Mariologischer Arbeitskreis Kevelaer, S. 121. Hier online einsehbar.
Bild: Maria als Tempel der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, St. Ulrich und Afra, Augsburg.

*Nach Scheeben finden wir bei Maria die engste Verbindung, die die heiligste Dreifaltigkeit mit einer menschlichen Person eingehen konnte, sie ist also gleichsam Abbild der hypostatischen Union.

Donnerstag, 14. Januar 2016

Miterlösung mit Pfeilen erklärt (oder: Coredemptrix für Dummies)



... und einen Text gibt es in Bälde noch dazu!

Johannes Brinktrine: Die Lehre von der Mutter des Erlösers. Paderborn: Schöningh-Verlag 1959, S. 104.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Du Bräutigam der Kirche



Laus tibi, Christe,
sponso sponsae,
laus in te
trinitati sanctae

Lob sei dir, Christus König,
du Bräutigam der Kirche, 
mit dir zugleich sei Ehre
der heiligen Dreifaltigkeit

Quia mundi sator
salus es et 
reparator

Du bist der Welten Sämann,
ihr Heil und ihr Erneurer,

Rebus dans singulis
tuae umbras
imaginis

du gibst den Dingen allen
den Schatten deines Ebenbilds. (...)

Quem pater tunc per te
in pneumate
voluit, fecit,
fovit machinam,
creatae,
formatae
distinguis, pingis
speciem variam.

Der Vater hat im Geist durch dich
einstmals gewollt, gegründet
das ganze Weltgefüge
und alles Weltgetriebe;
als es sodann geschaffen
und neugeformt dein harrte;
der Dinge Vielgestalten
darin geordnet und geschmückt.

Tibi corpus aptans
ecclesiae,
palmites viti,
membra capiti,
sordentem,
marcentem
tu fide mundas,
spiritu vegetas.

Du fügtest dir zur Einheit an
den Leib der heiligen Kirche,
wie Reben an dem Weinstock,
wie Glieder zu dem Haupte;
und weil die Braut noch leidet
an Flecken und an Schwäche,
schaffst du sie rein im Glauben
und wirkst sie lebensstark im Geist.

Aus dem Hymnus zur Epiphanieoktav des Gottschalk von Limburg-Aachen in der Übertragung nach J. van Acken: Germanische Frömmigkeit in liturgischen Hymnen. Freiburg i. Br.: Caritasverlag 1937, S. 86f. Das lateinische Original ist den Analecta Hymnica (Bd. L, no. 273) entnommen.
Bild: Aus der Kathedrale de Nuestra Señora de la Asunción, Asunción Paraguay.

Dienstag, 12. Januar 2016

Die Jahrhundertode des Tiara- und Lorbeergekrönten



Diese Tage ist mir Leo XIII. besonders präsent, oder genauer gesagt, seine Dichtkunst, von der auch auf einem Nachbarblog bereits die Rede war. Papa Pecci schrieb schon italienische und lateinische Gedichte, lange bevor er Papst war. Das erste Erhaltene mit 11 Jahren zur Erstkommunion, in der Studienzeit trat er der poetischen "Gesellschaft der Arkadier" bei ... aber zur größten Blüte gelangte sein dichterisches Schaffen wohl erst mit der Papstwahl. Hier konnte er sich Erholung verschaffen, seine Gebete in kräftige Hymnen und demütige Bitten fassen, Freunde ermuntern, erheitern ... aber nicht zuletzt auch der schweren Last des Amtes, der Sorge um Welt und Christenheit im goldenen Latein des Horaz und Vergil Ausdruck verleihen. So fügte er also an die Dreifachkrone auch noch den Lorbeer der Lyrik.

Das Gedicht, welches ich hier in einer freien Übertragung wiedergebe, könnte womöglich auf den ersten Blick etwas unpassend erscheinen. Der Jahreswechsel ist inzwischen vorbei, und ein neues saeculum feierten wir vor einigen Jährchen. Aber ist das letzte Jahrhundert nicht auch wie das 19. ein langes? Vieles jedenfalls schleppen wir selbst noch mit in dieses neuerliche Fin de Siècle ... oder aber ächzen noch unter der alten Last. Und ziehen nicht vielleicht auch schon die Zeichen eines neuen Läuterungsfeuers auf, wie der erste Weltenbrand, in dessen Stahlgewittern gleichsam eine neue Erde wie unterm Schmiedehammer feurig-gewaltsam geformt ward? Mir scheint jedenfalls, dass folgende Verse, am 31.12.1900 verfasst ... genau so gut ein gutes Jahrhundert später passen ... wenn nicht noch besser:

Zum Ende sich neigt die gepriesene Zeit,
Die Künste und Wissen geehret,
Des Weltalls Kräfte enthüllt und genutzt,
Die Wohlfahrt des Volkes gemehret.

Es singe, wer mag, nun im Liede ihr Lob! - 
Mich drängt es, mit Schmerz zu beklagen
Beim Scheiden das Weh, vom Jahrhundert gebracht!
Ich schaue mit Zittern und Zagen

Die Male der Schande im Spiegel der Zeit:
Entsetzliches, blutiges Morden,
Zerschlagene Zepter und Throne und Gräu'l
Entfesselter, zuchtloser Horden:

Ich sehe, o Jammer, vom schmählichen Krieg,
Mit tausend Ränken erfunden,
Die Feste umtobet des Vatikans,
Die Zierde der Weltstadt geschwunden:

Die Fürstin der Städte der Krone beraubt,
In Würden durch Knechtschaft getragen,
Die Heimat der Päpste, Jahrhunderte hehr
Und Völkern, in Trauer und Klagen:

Gewichen von Gott ist das Recht und Gesetz,
Verschwunden die Tugend, der Glaube:
So fällt, vom Altare gerissen, das Recht
Dem Zweifel, der Willkür zum Raube.

Vom Wahnwitz betört, ein verruchtes Geschlecht -
Hört! - Sätze voll Bosheit ersinnet,
Die stumpfe Natur als waltende Macht
Der Gottheit zu preisen beginnet,

Der Menschheit Uranfang und edleren Keim
In albernem Dünkel beklaget,
Der Tier und Menschenwelt Grenze und Kluft
Verwirrend, Gebilden nachjaget.

Es mehrt sich die Frechheit anmaßend und dreist,
Das Hehrste wird schamlos verachtet,
Selbst Christi Gebot, sein Wesen und Werk
Als Märchen und Posse betrachtet.

Wie wälzt sich im Pfuhle der Laster der Stolz
In blindem, ohnmächtigen Wüten!
O wollet, ihr Menschen, in heilsamer Furcht
Die göttliche Satzung stets hüten!

Denn Er, euer Leben, die Wahrheit allein, 
Die Pforte des Himmels, die wahre,
kann wenden allein euch Kindern des Staubs
Zum Heile die fliehenden Jahre.

(...)

O Jesus, du Richter der künftigen Zeit!
Dem neuen Jahrhundert zum Segen
Die trotzigen Völkern mit göttlicher Kraft
Erhalte auf besseren Wegen.

Froh lasse die Saaten des Friedens gedeih'n!
Haß endlich und Aufruhr entschwinde
Und Kriegsnot! Der Ruchlosen Arglist und Trug
Verbann' in der Hölle Abgründe!

O lenke die Fürsten! Sie dränge ein Geist
Sich deinen Geboten zu fügen!
Ein Hirte soll leiten die einige Herd',
Ein Glaube auf Erden obsiegen!

Übersetzt von Bernhard Barth: Des Papstes Leo XIII Sämtliche Gedichte nebst Inschriften und Denkmünzen. Köln: J.P. Bachem 1904, S. 111f. Das lateinische Original findet sich z.B. in Joseph Bach: Leonis XIII P.M. Carmina. Inscriptiones. Numismata. Gleicher Verlag, 1903 - beide Personen waren interessanterweise am Bischöflichen Gymnasium St. Stephan zu Straßburg tätig.

Montag, 11. Januar 2016

Ordo muss sein

Es gibt übrigens nicht nur liturgische Wandkalender für das angebrochene Jahr, sondern auch schon längst einen Ordo bzw. ein Direktorium oder Kalendarium von Una Voce Deutschland für Brevier und Missale nach geltenden Rubriken von 1960. Bestellt werden kann er über die Seite introibo.net (runterscrollen!). Sparsame und Umweltempfindliche können ihn auch gleich als PDF herunterladen.
Was allerdings nur zahlende Kunden (und alle Leser dieser Seite) sehen, ist das eingeklebte Andachtsbildchen, welches eine mittelalterliche Illumination aus dem Fuldaer Sakramentar zeigt:


Sonntag, 10. Januar 2016

Sapphisches am Sonntag

Hör! Das Lied aus Pontifexfeder, einstmals
sang man jede einzelne Strophe; doch dann
tilgte Dom Lentini fix, wie er wollte,
sapphische Verse.
Okay, nach diesem Schaustück eigener Dichtkunst wird niemand auf die Idee kommen, hier einen zweiten Leo XIII. vor sich zu haben. Aber wie dem auch sei, interessant ist allemal, wie Ambrosio Lentini den Hymnus auf die Heilige Familie für die Liturgia Horarum beschnitt. In den Metten zu Beginn des heutigen Tages fehlen nun gleich folgende - ehemals einleitende - Verse:

Sacra iam splendent decorata lychnis
Templa, iam sertis redimitur ara,
Et pio fumant redolentque acerræ
Thuris honore.

Schon erstrahlen die Tempel von Lichtern
erleuchtet, schon ist umwunden der Altar mit Kränzen,
es dampfen und duften die Weihrauchkästchen
aus frommer Verehrung.

Welch' ein Bild der festgeschmückten Kirche, der heiligen Mysterienfeier! Ich glaube, man muss sich die Frage kaum noch stellen, warum diese Strophe nicht mehr so recht in die runderneuerte Liturgie passen will ...

Übersetzung: Adalbert Schulte

Donnerstag, 7. Januar 2016

Satan ist überall

»Wer ist Herr auf dieser Erde, Gott oder der Teufel? Der Heilige von Lumbres, der Pfarrer Donissan, hat von Gott die Gabe der Herzensschau, einen sechsten Sinn erhalten für die verborgene Sünde, die er aus allen Schlupfwinkeln vertreibt; aber siehe da, dieser von Gott bestellte Jäger Satans wird selber vom Satan wie ein armes Wild gejagt, und er läßt ihn nicht einmal dann in Ruhe, wenn er von den Stufen des Altars zum Kreuz aufblickt. Denn Satan findet sich nicht nur in geilen Blicken, in ruchlosen Händen, in Ohren, die voll Wind sind, ja, mitunter sucht man ihn im Fleisch, das die elende Lust durchdringt, vergebens. Satan ist überall, ›auch im Gebet des Einsiedlers, in seinem Fasten und seiner Kasteiung, im Innern der tiefsten Verzückung und im Schweigen des Herzens. Er vergiftet das Weihwasser, er brennt in der geweihten Kerze, atmet im Mund der Jungfrauen, verwundet mit dem Büßerhemd und der Geißel, und wohin er kommt, ist alles vergiftet. Man sah ihn auf den Lippen lügen, die sich öffneten, um das Wort der Wahrheit zu verkünden, man sah ihn, wie er den Gerechten durch Donner und Blicke seligen Entzückens bis in die Arme Gottes verfolgte ...‹ Und so wird der nach beseligender Gnade dürstende Gottesknecht von Lumbres selber von Satan durch sein Leben und noch durch seinen ihn überfallenden Tod hindurch gehetzt bis in die Arme Gottes hinein‹, und auf dem Gesicht des im Beichtstuhl Gestorbenen starrt Höllengraus.«
Pfr. Herbert Hug über den Roman Die Sonne Satans von Georges Bernanos.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Einen Neustern schenkt der Himmel


Für den liturgische Denkenden, der mehr in der längeren und älteren Tradition der lateinischen Kirche beheimatet ist als in den wenigen kurzen Jahren des kirchlichen Vormärzes zwischen 1955 und 1965 ... dem mutet es reichlich komisch an, dass Epiphanie - wo uns gerade die großen Reformgeister doch immer wieder darauf stoßen, dass es sich hier um das eigentliche und große Weihnachtsfest handelt - so richtig nur einen Tag gefeiert werden darf. Besonders schräge Situationen ergeben sich, wenn am ehemaligen Vigiltag, zur Zeit der 1. Vesper, noch einmal die Oktavmesse von Weihnachten (schon lange vorbei, aber uns fehlen die anderen unterdrückten Oktavtage, also wird die wieder reanimiert) gelesen und danach Dreikönigswasser geweiht wird. Entschwunden ist auch der enge Zusammenhang vom Epiphaniefest und Taufe des Herrn am Oktavtag, die lateinische Kirche gliederte die Festgeheimnisse nämlich entdrei, letztere hängt da nun so etwas frei in der Luft wie bestellt und nicht abgeholt. Kurzum: Das Erscheinungsfest kommt in der semireformierten Liturgie ein wenig so eingepfercht daher, wie die Könige, pardon, die Magoi, und die Heilige Familie oben.

Aber genug ins neue Jahr gemeckert und gemosert, heute dürfen wir feiern, und ich denke, auch durch die ganze vormalige Oktav. Den Anfang soll Rabanus Maurus machen mit einem Epiphanielied:

Venit Deus factus homo,
Exsultet omnis natio,
Caelium dedit sidus novum,
Apparet auctor omnium.

Gott ist gekommen, Mensch geworden,
Jubel singt ihm jedes Volk,
Einen Neustern schenkt der Himmel
da der Schöpfer selbst erscheint.

Magi ferebant munera
Primi legati gentium
Quae cum sacro mysterio
Signant latentis gloriam.

Erstgesandte aller Völker
Weise bringen Gaben dar,
die als heilig tiefe Zeichen
deuten des Verborgenen Glanz:

Aurum potentis regmina,
Numen sacrum tus indicat
Carnemque murra mortuam,
Mundi piantem machinam.

Gold spricht von des Mächtigen Herrschaft
Weihrauch von dem heiligen Gott
Myrrhe deutet auf den Leichnam,
auf den Heilsplan für die Welt.

Herodes, hostes invidus,
Ignorat haec trucissimus,
Christus saluti gentium
Quae sic ministrat praevius.

Nur der trutzdende Herodes
neidet, haßt und will nicht sehn,
was der Herr zuerst entfaltet
zu der Erdenvölker Heil.

Jesus precamur, omptime, 
Tu nos benignus dirige,
Prompti feramus quod tibi
Laudis sacrata munera.

Bester Jesus, laß dich bitten,
hüt in Gnaden unsern Weg,
da wir willig dir entbieten,
unsres Festlobs Weihgeschenk.

J. van Acken: Germanische Frömmigkeit in liturgischen Hymnen. Freiburg i. Br.: Caritasverlag 1937, S. 12f. Das lateinische Original ist den Analecta Hymnica (Bd. L, no. 139) entnommen.
Bild: Anbetungsszene im Hohen Dom zu Augsburg