Freitag, 25. Dezember 2015

Salvator noster hodie natus est: gaudeamus!


Den lieben Kollegen, Lesern, Freunden und allen in irgendeiner Weise Verbundenen ... ein gnadenreiches Hochfest der Geburt unseres Erlösers und Herrn!

Bild: Haupt- und Weihnachtsaltar in St. Ulrich und Afra, Augsburg.

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Heute! (2)

Heute! sprach Moses zu den Israeliten in der Wüste, als Gott sich offenbarte im Reichtum seiner Hände und den Mannaregen auf die Hungrigen herabsandte. Heute! sprach der Engel zu den Hirten auf dem Felde in der Nacht, als Gottes Sohn von der Jungfrau geboren wurde und in der Krippe lag. Heute! spricht die Kirche, wenn der geheimnisvolle Kreislauf des Jahres den Tag oder vielmehr die Nacht des ersten Advents nach Gottes Gesetz in heiliger kultischer Feier aufleuchten läßt. "Heute werdet ihr es erfahren: Gott kommt und heilt uns!" sing sie, und wenige Stunden später: Heute hat der König der Himmel sich herabgelassen, von der Jungfrau geboren zu werden, um den Menschen aus seiner Verlorenheit zu den himmlischen Reichen heimzurufen." "Heute ist uns der wahre Friede vom Himmel herabgestiegen. Heute träufeln die Himmel Honig über die ganze Herde hin. Heute leuchtet uns der Tag neuer Erlösung, uralter Vorbereitung, ewigwährenden Glückes auf." "Heute ist uns Christus geboren worden. Heute ist uns der Heiland erschienen. Heute singen auf Erden die Engel, jubeln die Erzengel. Heute jauchzen die Gerechten und rufen: Gott in der Höhe die Herrlichkeit, Alleluja!" Heute! spricht Gott durch den Mund seiner Boten, heute, das heißt: ich komme. Ich, die Gegenwart, ich, das einzige, ewige Heute, breche herein in den Fluß eurer Zeit, ihn rundend zum Kreise. Das ist Gewicht und Süße und herzanrührender Klang dieses Wortes: es trägt - in all seiner Winzigkeit - trägt den kommenden Gott, trägt die einzige Liebe, die sich selber verschenkt. 
Aemiliana Löhr, OSB: Das Herrenjahr. Das Mysterium Christi im Jahreskreis der Kirche. (1. Bd). Regensburg: Verlag Friedrich Pustet 1955, S. 78f.  

Heute! (1)

"Heute!" hebt die Messe an, und das ist ihr erstes und wichtigstes Wort. Es gibt dem Tage sein Gesicht. Vom Invitatorium des Nachtoffiziums an klingt es durch die Antiphonen und Responsorien des Stundengebetes und der Messe bis in die erste Weihnachtsvesper und damit in das eigentlich Fest hinein. "Heute werde ihr erfahren: der Herr kommt und heilt uns." Da ist sie, die Antwort auf den Adventsruf der Kirche. Veni, haben wir gerufen, komm, und nun endlich: Hodie - heute! Heute wird es Erfahrung: Gott kommt und heilt uns. Was wir als tägliche Erfahrung für gewiß halten, heute wird es zum gesteigerten Besitz, zur Feier und zum Fest. Dieses Heute trägt uns die gesammelte Süßigkeit aller Gottesadvente zu, die jemals die Erde erleuchtet und die Herzen heimgesucht haben. In ihm klingt wieder das Lallen des Kindes von Bethlehem und die Posaune des Weltendes, die Stimme der gottrufenden Priester aller Zeiten und die wirkende Worte der Liturgie. Das erste und letzte und tägliche Kommen Gottes geben diesem Heute seinen Glanz. Neu klingt es und frisch, wie eben gefunden und nie gehört, unberührt vom Gestern und Ehegestern, und ist doch schwer von den Wundern der Jahrtausende, die es auf den winzigen Flügeln seiner paar Silben trägt.
Aemiliana Löhr, OSB: Das Herrenjahr. Das Mysterium Christi im Jahreskreis der Kirche (1. Bd). Regensburg: Verlag Friedrich Pustet 1955, S. 78. 

Sonntag, 20. Dezember 2015

Kleine Vertheidigung der Sakristeiwisschenschaft (wo der Leib sagt, was die Seele meint)


Ein bleibender Verdienst der Liturgiereform, so hört man es selbst von liturgisch bemühten Priestern alleweil, wäre die Überwindung der klassischen Rubrizistik gewesen.* Was alles so seit mehr als einem halben Jahrhundert mit geradezu rubrizistischer Wiederholungswut wieder und wieder wider die Rubrizistik vorgebracht wurde, muss hier nicht nochmal aufgeführt werden.
Dass es darauf nicht ankomme und man alles nicht so genau nehmen müsse, darauf läuft es jedenfalls am Ende hinaus. Kleinigkeiten sind es eben. Aber muss nicht das Herrenwort: Wer im Kleinen getreu ist, ist es auch im Großen, und wer im Kleinen ungetreu ist, ist es auch im Großen (Lk 16, 10) nicht gerade auch für das liturgische Tun gelten, vor allem für die bestellten Diener des Altares? Wie wichtig diese Normen sind, nicht allein, damit nicht Chaos, Subjektivismus und Willkür in die Kirche einzieht ... das ging mir so richtig wieder heute in einem Levitenamt auf. Kardinal Bona drückte es in De divina psalmodia einmal sehr schön aus und wurde von Pius XII. in der Enzyklika Mediator Dei zitiert:
Denn wenn auch die Zeremonien aus sich selbst keine Vollkommenheit und Heiligkeit beinhalten, so sind sie doch äußere religiöse Akte, durch die der Geist wie durch Zeichen zur Verehrung alles Heiligen angeeifert, der Sinn zum Himmlischen emporgehoben, die Frömmigkeit genährt und die Liebe entflammt wird; durch sie wächst der Glaube und wird die Andacht vertieft; durch sie werden die weniger Gebildeten unterrichtet, der Gottesdienst verschönert, die Religion erhalten und die wahren Gläubigen von den unechten Christen und Irrgläubigen unterschieden. (231)
In derselben Enzyklika mahnt der Heilige Vater, der heranwachende Klerus solle zu richtigem Verständnis der Zeremonien angeleitet werden und die Rubriken recht erlernen, nicht nur, damit der Jünger des Heiligtums später die gottesdienstlichen Funktionen ordnungsgemäß, schön und würdig zu vollziehen befähigt sei, sondern vor allem damit er in innigster Vereinigung mit dem Hohenpriester Christus erzogen werde und ein heiliger Diener des Heiligen sei. (369)

Es geht hier also nicht bloß um einen reibungslosen Ablauf, um höfisches Gebaren und Schnörkelei. Die Rubrizistik bietet gleichsam eine praktische Mystagogie und eine Schule der Heiligkeit. Was die heiligen Zeichen uns sagen und bedeuten sollen, da lasse ich Romano Guardini mit seinem bekannten Werk zu Worte kommen, und zwar anhand des Beispiels einer der allerersten liturgischen Gesten: der Händefaltung.
Steht jemand in demütiger, ehrerbietiger Haltung des Herzens vor Gott, dann legt sich die gestreckte Hand flach auf die andere. Das sagt von fester Zucht, von beherrschter Ehrerbietung. Ein demütiges, wohlgeordnetes Sprechen des eigenen Wortes ist das, und ein aufmerksam bereites Hören des göttlichen. Oder es drückt Ergebung aus, Hingabe, wenn wir die Hände, mit denen wir uns wehren, gleichsam gebunden in Gottes Hände geben ... Schön und groß ist die Sprache der Hand. Von ihr sagt die Kirche, Gott habe sie uns gegeben, daß wir 'die Seele darin tragen'. So nimm sie ernst, diese heilige Sprache. Gott hört auf sie. Sie spricht vom Innern der Seele. Sie kann auch von Herzensträgheit, Zerstreutheit und anderem Unguten reden. Halte die Hände recht und sorge, daß Dein Inneres mit dem Äußeren wahrhaft übereinstimme! (...) Kein eitles, geziertes Spiel daraus machen, sondern eine Sprache soll es uns sein, durch die in lauter Wahrhaftigkeit der Leib Gott sagt, was die Seele meint. 
Und so will ich, angefangen von den Gesten der Hand, keine einzige Rubrik missen.

Die Enzyklika wurde zitiert nach der auf stjosef.at angebotenen Übersetzung. Guardini aus seinem Buch: Von heiligen Zeichen. Würzburg: Werkbund-Verlag 1937, S. 18ff.

*Auf die Frage, wie es ohne gehen soll, müssen sie dann aber mit den Achseln zucken. Pfarrer Terlinden macht einen für den deutschsprachigen Raum (meines Wissens nach) einmaligen Versuch einer Rubrizistik für die neue Messordnung, hier als PDF herunterladbar. 

Die Kollekten des Advent und ihre Übersetzungen - 4. und letzter Sonntag

Excita, quæsumus, Domine, potentiam tuam, et veni: et magna nobis virtute succurre; ut per auxilium gratiæ tuæ, quod nostra peccata præpediunt, indulgentia tuæ propitiationis acceleret: Qui vivis et regnas.
Schott:
Biete Deine Macht auf, o Herr, und komm, wir bitten Dich; eile uns zur Hilfe mit starker Macht, damit Dein verzeihendes Erbarmen durch den Beistand Deiner Gnade das Heil beschleunige, das unsre Sünden noch aufhalten: Der Du lebst und herrschest.
Bomm:
Wir bitten, Herr, erwecke Deine Macht und komme und eile uns zu Hilfe mit großer Kraft; stehe uns bei mit Deiner Gnade und beschleunige durch huldvolle Verzeihung, was unsere Sünden verzögern. Der Du lebst.
1965er Meßbuch:
Biete auf deine Macht, Herr Jesus Christus, und komm und eile uns zu Hilfe mit großer Kraft; unsere Sünden halten deine Ankunft noch auf, in deiner verzeihenden Huld führe alsbald ihre Stunde herbei: Der du lebst.
Schenk:
Wir bitten Dich, Herr: Biete auf Deine Macht und komme! Mit starker Macht eile uns zu Hilfe! Dein Erbarmen und Verzeihen möge mit Deiner Gnadenhilfe beschleunigen, was unsere Sünden verzögern. Der Du lebst.
Stephan:
Laß, wir bitten dich, Herr, wirksam werden deine Macht und komm; und werde uns mit deiner großen Kraft ein Helfer, auf daß unter dem Beistand deiner Huld das, was unsere Sünden aufhalten, die in deiner Milde erwiesene Nachsicht schneller gewähre. Der du lebst.
Ramm:
Biete auf, so bitten wir, Herr, Deine Macht und komm, und steh uns bei mit großer Kraft, damit, durch die Hilfe Deiner Gnade, die Vergebung Deiner Versöhnung das, was unsere Sünden hemmen, beschleunige, der Du lebst.
1975er Meßbuch:
Die Kollekte findet sich so nicht mehr im Missale.*

*Wieder finden wir eine ganz ähnliche Kollekte am Donnerstag in der 1. Adventswoche: Biete auf deine Macht, Herr, unser Gott, und komm. Eile uns zu Hilfe mit göttlicher Kraft, damit durch dein gnädiges Erbarmen bald das Heil kommt,
das unsere Sünden noch aufhalten. (1975er Meßbuch) Freilich konnte die Oration nicht eins zu eins übernommen werden, da nach dem Dogma der Liturgiereformer keine Gebete an Gott den Sohn gerichtet werden durften.
Meine recht wörtliche Übersetzung der neuen Kollekte: Biete Deine Macht auf, o Herr, und eile uns zu Hilfe mit großer Kraft, damit, was unsere Sünden aufhalten, durch die Versöhnung Deiner Gnade beschleunigt werde. 

Samstag, 19. Dezember 2015

Von den Quellen des Konzils


Die Konzilsgeschichte wird uns im großen Ganzen eigentlich nur aus zwei Quellen offenbart: durch Rahners Kompendium und Lubacs Tagebuch. Wenn man aber bloß mal die dicken Bände der Acta Synodalia durchzählt, es sind 32, dann könnte man doch auf die Idee kommen, dass da ein ganz kleines bisschen mehr passiert ist, als eben die Geschichten, die wir mit mehr oder minder großem Genuss seit 50 Jahren wiederkauen. Wie kann es sein, dass für den Normalkatholiken die Geschichte des tollsten Konzils aller Zeiten fast vollkommen unzugänglich ist? Irgendwie eine komische Sache, meine ich, und darum habe ich mich bemüht, zumindest einen Teilaspekt auf hiesiger Seite näher zu beleuchten.
Ganz zufällig stieß ich dieser Tage auf einen englischsprachigen Blog mit dem sympathischen Namen Semiduplex, der sich in zwei hochinteressanten Beiträgen einem der entscheidensten Momente des Zweiten Vatikanischen Konzils widmet, nämlich der Rücknahme des von der theologischen Komission vorbereiteten Schemas über die Offenbarungsquellen, De Fontibus Revelationis*, hier und hier.

Für Lesefaule zusammengefasst: Kardinal Döpfner behauptete unter Zuhilfenahme einer selektiven Zitation des Ordo Concilii, das Konzil könne die vorgelegten Schemata einfach zurückweisen und neue einführen. Tatsächlich steht das in einem klaren Widerspruch zum CIC und der Konzilsordnung, die Kard. Ottaviani aufrechtzuerhalten versuchte. Jedoch konnte sich Döpfner durchsetzen, es kam zur Abstimmung, ob das Schema De Fontibus weiter diskutiert werden solle oder nicht - hier gelang also schon, das vorgesehene Prozedere komplett umzuwerfen, die Revolution begann. Und nun wurde verwirrenderweise die Abstimmungsfrage so formuliert, dass die Väter mit Non placet stimmen mussten, wenn sie für die Fortsetzung der Diskussion waren. Doch selbst das half nichts: die Gegner von De Fontibus konnten nicht die nötige Zweidrittelmehrheit erlangen. Trotzdem konnte sich aber die progressive Konzilsfraktion gegen Recht und Mehrheit durchsetzen: Papst Johannes XXIII. intervenierte und setzte eine ad-hoc-Kommission ein, um das Schema umzuschreiben.

Der Rest ist ... Konzilsgeschichte.

*An der auch Johannes Brinktrine mitwirkte, über den ich bald mal wieder was schreiben müsste ...

Bild: AS I, 3, S. 222.

Wie konnte man sich überreden?

»Es kann bei weisen Katholiken gar keinem Zweifel unterliegen, daß, wie alles Menschliche, so auch die wissenschaftliche Vertheidigung und Darstellung der christliche Lehre einer Vervollkommnung fähig ist; daß diese auch nach den verschiedenen  Zeitumständen sich in etwa anders gestalten muß; daß sie endlich die Fortschritte, welche etwa rein menschliche Wissenschaften machen, nicht unbenutzt lassen darf: aber wie konnte man sich überreden, daß man nicht verbessern und vervollkommnen, sondern ganz und gar umwandeln müsse, daß jene Zeitumstände es forderten und diese Fortschritte es möglich machten, in unsern Tagen der gesammten Theologie nicht nur eine ganz neue Form, sondern auch eine ganz andere Grundlage, und dem kirchlichen Leben eine ganz neue Gestalt, ja erst den wahren Geist zu geben; wie konnte man, sage ich, davon sich überreden, wenn man nicht vorher der Meinung beigetreten war, in unseren Tagen endlich sei der Menschengeist zum vollen Bewußtsein seiner selbst gekommen, und habe wie im Leben so in der Wissenschaft zu begreifen angefangen, was seiner Würde fordere und seine Kräfte vermögen? Nun aber, ist denn nicht dies die eine große Lüge, womit der böse Geist der Zeit alles in Bewegung setzt? 
Glaubend also, daß unsere Zeit ein so großes Licht aufgegangen sei, wollte man der eine durch diese, der andere durch jene sogenannte Grundansicht, die man in neuester Zeit gewonnen, die gesammte theologische Wissenschaft umarbeiten.«
aus der Einleitung zu Joseph Kleutgen, SJ: Theologie der Vorzeit (Bd. I). Münster 1867. 

Montag, 14. Dezember 2015

Die Vorhalle zum großen Völkeropfer

Als kleine Überleitung zum nächsten Teil meiner ebenfalls kleinen Serie zu Johannes Brinktrine soll ein Zitat aus seiner Monographie "Die Heilige Messe" dienen. Ich bin versucht, gleich noch etwas Längeres dazu zu schreiben (und hier stand auch schon was im Editor), aber ich lasse es erst einmal für sich selbst stehen, gleichsam als Eingang und Vorhalle zum nächsten Artikel. Das wichtige Wort, nur so viel sei gesagt, ist das Ganze. Und was Brinktrine hier über die Katechumenmesse sagt, kann im weiteren Sinne natürlich auch für die gesamte Messe gelten:
Werfen wir von dem Standpunkte, den wir gewonnen haben, einen Blick auf die Vormesse als Ganzes, so sehen wir ein Kunstwerk vor uns, wie es einzig der religiösen Literatur dasteht. Die Steine dieses monumentalen Baues wurden den verschiedenartigsten Kulturen entlehnt: der jüdisch-orientalischen, der griechisch-hellenistischen, der römisch-lateinischen, der germanisch-mittelalterlichen Kultur, und doch sind alle Stücke so zusammengefügt, daß ein Gebäude von Harmonie und Schönheit vor unserm Geiste steht. Die Liturgien der großen Kirchen des Orients wie des Okzidents haben dazu beigetragen, die Meßordnung Roms zu bereichern und zu verschönern: in der Liturgie der Mutter aller Kirchen finden sie sich einträchtig beisammen. Man dürfte kaum irgendwo in der religiösen Literatur eine solche Mannigfaltigkeit und Fülle in den einzelnen Teilen und eine solche Geschlossenheit und Einheit in dem Ganzen finden. Andere Geistesprodukte, auch die religiösen, sind national ausgeprägt, spiegeln eine bestimmte nationale Kultur wider, die römische Meßliturgie, die bereits in ihrem ersten Teile Elemente aus verschiedensten Kulturen, alten und neuen, harmonisch geeint hat, ist übernational, sie ist ein Symbol der Universalität der Kirche Christi, welche die nach Rasse und Sitte, Sprache und Kultur getrennten Völker und Nationen aller Zeiten umspannt und sie "in der Einheit des Glaubens versammelt". Der Glaubensartikel von der una ecclesia catholica hat in dem monumentalen Bau der römischen Katechumenmesse seine kongeniale Liturgische Ausprägung und eine Form von hoher Vollendung gefunden. Dieses herrliche Kunstwerk ist würdig, als Vorhalle zu dienen für das Heiligtum, in welchem das große Völkeropfer dargebracht wird, die heilige Eucharistie, das bewirkende Symbol der kirchlichen Einheit und Katholizität. In dieses Heiligtum wollen wir jetzt eintreten.
Johannes Brinktrine: Die Heilige Messe. Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh 1950, S. 128f. 

2016 kann kommen


... denn der zweite Kalender ist da! Falls man mal vom einen in den anderen Raum vergisst, welcher Tag und welches Fest heute ist, dann ist es nicht verkehrt, mehr als bloß einen davon zu haben.
Auf dem Kalender des Instituts Christus König und Hohepriester finden sich dieses Jahr zu jedem Monat ein anderes Motiv aus der Fassade der Kirche Notre Dame de Lourdes in Libreville/Gabun, entworfen und realisiert von Abbé Alexander Willweber. Konzipiert wurde die Fassade, so erzählen es die letzten Kalenderseiten, nach den architektonischen Regeln aus Vetruvs De architectura und Abbé Albertis Bearbeitung derselben Schrift. Wer sich also für Architektur interessiert ... gab es da nicht mal irgendjemanden in der Blogozese, ich weiß beim besten Willen nicht mehr wer ... der findet da auch etwas im institutseigenen Kalender.

Kostenfrei bestellt werden kann er hier. Dazu gibt es sogar noch ein praktisches Kalendarium mitsamt den Adressen und Apostolaten des Instituts in aller Welt.

Sonntag, 13. Dezember 2015

Die Kollekten des Advent und ihre Übersetzungen - 3. Sonntag

Die feine Bloggerart ist es wohl nicht, statt Neues zu bieten nur Altes hervorzukramen ... da die Zeit aber flieht, möge man es mir nachsehen. Hier geht es zum Beitrag aus dem vergangenen Jahr.

Schott:
Wir bitten Dich, o Herr: schenke unsern Bitten Gehör und mache hell die Finsternisse unsres Geistes durch die Gnade Deines Kommens.
Bomm:
Neige Dein Ohr unseren Gebeten, so bitten wir, Herr, und erleuchte die Finsternisse unseres Geistes durch die Gnade Deiner Einkehr bei uns.
1965er Meßbuch:
Neige, Herr Jesus Christus, unserem Flehen dein Ohr; mit deiner Gnade suche uns heim und mache licht die Finsternis unseres Herzens.
Schenk:
Wir bitten Dich, Herr: Neige unseren Bitten Dein Ohr und erhelle die Finsternis unseres Geistes durch Deine gnadenvolle Einkehr!
Stephan:
Neige, o Herr, wir bitten dich, dein Ohr zum Auffangen unserer Bitten und bringe in die Finsternis, in der unser Geist sich befindet, Licht durch deinen gnädigen Besuch.
Ramm:
Dein Ohr, so bitten wir, Herr, neige zu unseren Bitten, und die Finsternis des Geistes erleuchte durch die Gnade Deiner Heimsuchung.
1975er Meßbuch:
Die Kollekte wurde aus dem Meßbuch gestrichen.*

*Eine sehr ähnliche, wenngleich nicht mehr an Christus gerichtete Kollekte findet sich aber am Montag nach dem Gaudete-Sonntag: Gütiger Gott, neige dein Ohr und erhöre unsere Bitten. Erleuchte die Finsternis unseres Herzens durch die Ankunft deines Sohnes. (1975er Meßbuch)
Die Übersetzer geben den Text wie gewöhnlich nur verstümmelt wieder. Wortgetreu übertragen hieße es: Neige, o Herr, wir bitten Dich, die Ohren Deiner Milde unserem Rufen zu, und unseres Herzens Finsternisse erleuchte durch die Gnade Deines bei uns einkehrenden Sohnes. 

Samstag, 12. Dezember 2015

Columna Ecclesiae - Johannes Brinktrine zum 50. Todestag (1. Teil: Biographisches)

Heute* vor fünfzig Jahren trat der Paderborner Theologe Johannes Brinktrine seinen Heimgang an. Nur noch wenigen wird dieser Name etwas sagen, und traut man dem spärlichen lexikographischen Nachhall, könnte man meinen, es hier mit keiner besonders herausragenden Gestalt zu tun zu haben. Hört man aber, was der Diener Gottes Pius XII. über ihn gesagt haben soll, fällt das Urteil vielleicht schon wieder ein klein wenig anders aus: "Prof. Brinktrine ist die columna Ecclesiae", die Säule der Kirche.
Sein Stern, und das erklärt vermutlich auch das verhaltene Echo mitten in der konziliaren Zeitenwende, begann sicherlich schon nach der großen Zäsur in der deutschen Theologie und Gesellschaft zu sinken, die der Zweite Weltkrieg war. Seinem Ansehen in Rom tat das zur gleichen Zeit aber keinen Abbruch, eher im Gegenteil. Er wurde nicht ohne Grund als Konsultor zur theologischen Vorbereitungskommission berufen und arbeitete eng mit Sebastian Tromp zusammen. Es wäre aber reichlich verkehrt, Brinktrine nun einfach in die Schublade alter Schulbuchtheologen zu stecken und möglichst schnell wieder zu vergessen. Der Paderborner markierte mit seinen Schriften nicht nur das Ende einer theologiegeschichtlichen Epoche "zwischen den Konzilien", sondern auch ihren Höhepunkt.

Beschäftigt man sich auch nur ein ganz klein wenig mit Person und Werk, merkt man zudem schnell, dass man es hier mit einem neuscholastischen Systematiker zu tun hat, den es - jedenfalls nach aktueller schultheologischer Auffassung - per definitionem gar nicht geben dürfte. Der Paderborner war nämlich nicht nur Dogmatiker und Fundamentaltheologie, sondern zuallererst und von Haus aus Liturgiewissenschaftler. Und das macht sich nicht nur in seinem liturgischen Werken, sondern auch in der Dogmatik und Apologetik erheblich bemerkbar. Daneben bieten seine Lehrbücher eine breite bibeltheologische und patrologische Grundlegung, kurzum: Hier wird ein thomistisches Theologieverständnis ersichtlich, das Brinktrine wie kaum ein anderer verinnerlicht und vor allem auch verwirklicht hat. Es gibt nämlich keine Wissenschaft der Dogmatik, der Liturgie, der Kanonistik ... sondern nur die eine theologische Wissenschaft, sie und alle ihre Zweige handeln von Gott sub ratione Deitas, unter dem Aspekt Gottes. Mit dem Einzug historisch-kritischen Denkens wurde diese Einheit der Theologie zunehmend aufgegeben, sodass sie aktuell im Grunde vollkommen auseinandergebrochen ist. Mit den damit verbundenen Implikationen im Bereich der Liturgik werden wir uns noch beschäftigen müssen.

Wer aber war nun Johannes Brinktrine? 1889 geboren, wächst er in einer tiefgläubigen Familie auf; früh zeigt sich seine besondere Begabung, und so wird ihm der Besuch des Gymnasium Theodorianum in Paderborn ermöglicht. Hier lernt er neben anderen klassischen und modernen Sprachen das Lateinische kennen und lieben, welches er zeitlebens nicht nur hochschätzte, sondern auch gründlichst beherrschte. Als Konsultor der theologischen Kommission verbesserte er besonders oft die Latinität zahlreicher Stellen, und nach der Apostolischen Konstitution Veterum sapientiae Johannes XXIII. begann er als einziger der Paderborner Professoren, seine Vorlesungen in lateinischer Sprache zu halten. Eine Anekdote macht seine Sprachkenntnis vielleicht besonders eindrücklich. Als er in dem 50er Jahren am Hermannsdenkmal vorbeispazierte, fiel ihm auf, dass die dort angebrachte Inschrift aus den Annalen des Tacitus fehlerhaft zitiert war - und das einfach so aus dem Gedächtnis.
In seiner Klasse von 18 Schülern treten zehn nach dem Abitur ins Priesterseminar ein. Brinktrine ist einer von ihnen. Noch in der Modernismuskrise begann er also sein Studium an der Philosophisch-Theologischen Lehranstalt Paderborns, dem Leonianum, ein Freisemester verbrachte er in Breslau, seine Dissertation über den "Meßopferbegriff in den ersten zwei Jahrhunderten" schrieb er nach zwei Seelsorgejahren in Freiburg. Zufall dürfte die Wahl der Studienorte nicht gewesen sein, tatsächlich zeichneten sich alle drei nicht nur durch ihr hohes akademisches Niveau, sondern auch durch eine besonders feste Kirchlichkeit und einen strammen Antimodernismus aus. Als sich die theologische Fakultät Freiburgs der Breslauer Erklärung anschloss, die besagte, dass es sich beim Antimodernisteneid keineswegs um eine neue Verbindlichkeit handle, sondern sie viel mehr um die immer geltende katholische Glaubensregel, die die Forschungsfreiheit keinesfalls einschränkt, schlitterte sie haarscharf an der Auflösung durch den Universitätssenat vorbei.

Vieles spielte sich noch ab, Brinktrine wurde zeitweise Oberer am Priesterseminar, wo er die längste Zeit seines Lebens tätig bleiben wird, er lernt Guardini kennen, wird Duzfreund Joseph Frings, besucht Maria Laach und bleibt trotz unterschiedlicher Ansichten mit Ildefons Herwegen im Briefkontakt, wenig später wird er Oblate ... von besonderer Wichtigkeit dürfte aber sein Romaufenthalt 1920-22 gewesen sein. Dass sich ihm die großen Zeremonien Roms besonders einprägten, wird nicht nur aus privaten Briefen deutlich, sondern auch aus dem Pilgerbüchlein "Die feierliche Papstmesse und die Zeremonien bei Selig- und Heiligsprechungen", das er ein paar Jahre später verfasste. "In Deutschland bekommt man niemals ähnliches zu sehen", schrieb er nach dem Fest der Apostelfürsten an seine Eltern. In Rom lernte der Paderborner auch den späteren ukrainischen Großerzbischof Jossyf Slipyj kennen, mit dem er bis 1945 regelmäßig korrespondieren konnte. Auch das will nicht recht ins Klischeebild des typischen Neuscholastikers passen: Brinktrine interessierte sich sehr für die Ostkirchen und beschäftigte sich mit ihren Liturgien, einer seiner Forschungsschwerpunkte betraf außerdem eine pneumatologische Fragestellung, nämlich die Bedeutung der Anrufung des Hl. Geistes bei der Epiklese in der Liturgie.
Und last but not least wäre da, dass er Vorlesungen Garrigou-Lagranges hören konnte. Der Dominikaner wird einen derart großen Einfluss auf die Theologie Brinktrines haben, dass man von ihm zuweilen schon als dem "deutschen Garrigou-Lagrange" spricht. Tatsächlich liest sich sein Zweibänder über die Offenbarung fast wie eine Übersetzung des entsprechenden Werkes aus der Feder des Franzosen. Derlei Vergleiche haben immer etwas Identitätsnivellierendes, hier wäre es aber eine besonders starke Verkürzung, nur einen Abklatsch, eine billige deutsche Kopie der römisch-dominikanischen Schule sehen zu wollen. Mit ihr ist er fraglos eng verbunden, nicht jedoch als bloßer Abschreiber, sondern als eigenständiger Denker von Rang.

Nun will ich mich gar nicht weiter in biographischen Details verlieren und den geneigten Leser langweilen - der Artikel ist ohnehin schon wesentlich länger geworden, als geplant - das ein oder andere habe ich bereits vorweggenommen, alles weitere von Bedeutung wird sich in den folgenden Teilen der Serie finden. Nur eine Sache noch. Den antiliberalen Kirchenmännern jener Zeit wird gerne nachgesagt, sie hätten der nationalsozialistischen Diktatur den Weg bereitet, sie unterstützt oder zumindest stillschweigend gutgeheißen. Am Beispiel Brinktrine sieht man aber, wie bei vielen anderen, das genau das nicht der Fall war. Er sah sich u.a. wegen Verweigerung des Hitlergrußes zahlreichen Drangsalen durch die Schergen der Machthaber ausgesetzt. Es war ja gerade seine antimodernistische Haltung, die ihn davor bewahrte, auch dieser Mode einheimzufallen. Sein reformkatholischer Kollege in Paderborn, der Moraltheologe Joseph Mayer, verdingte sich dagegen als Gestapospitzel und brachte die ganze Disziplin durch seine eugenischen Entgleisungen in Verruf. Womit natürlich ebenfalls nicht gesagt sein soll, eine Zuneigung zur neueren Theologie hätte gezwungenermaßen zu Sympathien für Hitlerdeutschland geführt. Insgesamt bleibt die aktive Kollaboration ein absolutes Randphänomen.
Apropos Politk: Schon in den fünfziger Jahren beklagte Brinktrine das, was vielen anscheinend erst seit kurzem klar wurde: Dass innerhalb der Christlich-Demokratischen Union so wenig Christliches ist.

Im nächsten Teil soll es dann um das liturgiewissenschaftliche Wirken des Theologen gehen.


*Ich vertraue hier der Angabe aus Martin Riegers Dissertation Liturgie und objektive Theologie : Johannes Brinktrine - ein Liturgiewissenschaftler? (Paderborn 2002), die Enzyklopädien geben den 13.12. an. 

Bild aus Johannes Brinktrine: Die heilige MesseHrsg. und eingeleitet von Peter Hofmann (Reprint der 4. Auflage von 1950, ergänzt um eine Einleitung). Augsburg: Dominus-Verlag 2015. 

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Literatur für einen romantisch-gemütlichen Adventsabend

Da mir zuweilen gesagt wird, meine Eremitage sei wenig wohnlich eingerichtet, habe ich allen mir zu Verfügung stehenden vorweihnachtlichen Kitsch aufgeboten, um besinnlicherweise den ein oder anderen jüngeren Bucherwerb zu studieren ... 


Dienstag, 8. Dezember 2015

Statt der Todesschuld / seliges Glück des Heils


Wer vermöchte wohl mächtig an Wortgewalt
preisen hoch genug, was diese Jungfrau gilt; 
denn durch sie gewann Leben und Huld die Welt,
die vom alten Tod fesselgeschlagen war.

Das war Jesses Zweig, Zweig, der die Knospe trieb, 
war ein Garten gut, himmelher angesät;
und ein heiliger Quell, heilungsbegabt von Gott,
strömte ein zur Welt von dieser Jungfrau her.

Als des Erdenvolks Erster und Ahnherr einst
durch des bösen Feinds giftigen Brodem fiel,
sank die Pest herab, faßte das Neugeschlecht,
und mit Todeskeim war alle Welt versucht.

Doch den Schöpfer barmt, solches zu sehn; er schaut
auf den sündenlos heiligen Jungfrauschoß
und er heißt die Magd, bringen der siechen Welt
statt der Todesschuld seliges Glück des Heils. 

Von den Sternen her Gabriel wird gesandt,
trägt der Jungfrau zu Botschaft der Ewigkeit;
auf aufs Wort erfüllt weiter als Sternenraum
jener ihren Schoß, der alle Welt umspannt

Unversehrt gebiert so diese Muttermagd,
der den Erdkreis schuf, wird in dem Erdkreis Kind;
nimmer droht des Feinds schreckliches Zepter mehr,
und im All erglänzt freudig das neue Licht

Der dreieinig ist, einzig, empfange Ruhm,
Kraft und Majestät und allerhöchste Macht;
er, der eine Gott, der übers Reich regiert,
alle Weltzeit lang, durch alle Ewigkeit.

Hymnus aus der Feder des Paulus Diaconus, übersetzt von J. van Acken: Germanische Frömmigkeit in liturgischen Hymnen. Freiburg i. Br.: Caritasverlag 1937, S. 12f. Das lateinische Original ist in den Analecta Hymnica (Bd. L) einsehbar. Mit größerer Betonung auf die Unbefleckte Empfängnis übersetzt L. Kösters SJ die letzten Verse der vierten Strophe: Doch schaut erbarmungsvoll der Schöpfer, Gott, / der Jungfrau Herz, nicht kennend je die Schuld.
Bild: Stickerei Unserer Lieben Frau von Wigratzbad auf einem Messgewand im Bestand von St. Margareth, Augsburg.

Sonntag, 6. Dezember 2015

Die Kollekten des Advent und ihre Übersetzungen - 2. Sonntag


Ich kann mal wieder auf meine Serie vom vergangenen Jahr verweisen, die sich in besonderer Weise der Kollekte widmete.

Schott:
Rüttle auf, o Herr, unsre Herzen, auf dass wir Deinem Eingeborenen die Wege bereiten und Dir zu dienen vermögen mit einem Herzen, geläutert durch die Ankunft Dessen, der mit Dir lebt und herrscht ...
Bomm:
Herr, wecke unsere Herzen auf, Deinem Eingeborenen die Wege zu bereiten; so möge die Feier Seiner Ankunft uns dazu führen, daß wir Dir lauteren Geistes dienen.
1965er Meßbuch:
Wecke auf unsere Herzen, o Gott, daß wir deinem eingeborenen Sohn die Wege bereiten; seine Ankunft möge uns im Innersten läutern und uns würdig machen für deinen Dienst.
Schenk:
Herr, rüttle unsere Herzen auf, daß wir Deinem Eingeborenen die Wege bereiten; durch seine Ankunft möge unser Inneres geläutert werden, daß wir Dir treu dienen können. 
Erzpr. Stephan:
Rege, o Herr, unsere Herzen an, dass sie für deinen Eingeborenen den Weg bereit halten, damit wir infolge seiner Ankunft einen geläuterten Sinn bekommen und dir alsdann mit geläutertem Inneren dienen können.
P. Ramm:
Rüttle auf, Herr, unsere Herzen, Deinem Eingeborenen die Wege zu bereiten, damit wir, durch seine Ankunft, Dir mit geläuterten Herzen zu dienen vermögen.
1975er Meßbuch: (Donnerstag in der zweiten Adventwoche)
Rüttle unsere Herzen auf, allmächtiger Gott, damit wir deinem Sohn den Weg bereiten und durch seine Ankunft fähig werden, dir in aufrichtiger Gesinnung zu dienen. 

Kalendarisches (und ein bisschen Nikolausiges)


Eigentlich sollte es gestern Abend noch etwas Nikolausiges geben, aber wie das so ist, der geschäftige Alte-Messe-Molch hat an den Monatsersten immer besonders viel zu tun. Den Nikolaos brachte ich also nicht unter die Leute, dafür brachte er mir etwas. Den neuen Kalender der Priesterbruderschaft St. Petrus für das Jahr 2016 - ein neues Kirchenjahr lässt ja das bürgerliche Jahr gewöhnlich bald folgen, und so tut man gut daran, schon jetzt gerüstet zu sein. Der Kalender, man kann es sich schon denken, gibt nicht nur Auskunft über Monat und Woche und Tag, eine Sache, die genau betrachtet so rein bürgerlich gar nicht ist, sondern auch über Feste, Feiern und Fasten der Kirche.
Uns wiederum sollte es ein Anliegen sein, das neue Heilsjahr ebenso zu durchdringen, wie es der Kalender schon tut: nicht den Tag nur eine Zahl auf dem Blatt sein lassen, die Stunden zählend bis zum Feierabend, zum Urlaub oder zur Rente ... sondern täglich gemeinsam mit der ganzen Kirche dem Kyrios entgegengehen "auf seinen Spuren", bis Er kommt mit großer Macht und Herrlichkeit; dass wir, in der Zeit bewährt, die Freuden und Ruhen eines wahrhaft ewigen Kalenders zu genießen verdienen.

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit zum Kalender, für den Kinder und Jugendliche der Christkönigsjugend zu jedem Monat einen Beitrag verfasst haben, gibt es hier. Kostenpunkt: Günstige 0 Euro!

Einen weiteren deutschsprachigen Kalender für die ordentlichere, also außerordentliche Form des römischen Ritus gibt das Institut Christus König und Hoherpriester heraus, der ebenfalls kostenlos bestellt werden kann.

Wie soll ich es sagen. Ganz "mein Style" ist er nicht, aber in dieser Auflistung darf sicher auch nicht der in den unsrigen Kreisen klassisch gewordene Kalender aus dem Franziska-Verlag fehlen, der hier geordert werden kann.

PS: P. Ramm d.J., der, wie er sagt, "keinen Nikolaus macht", sei an dieser Stelle für's Nikolausgeschenk gedankt - und so machte er ihn doch!

Freitag, 4. Dezember 2015

"Der erste deutsche Volksliturgiker" - Erzpriester Stanislaus Stephan

Nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Beiträge kam ich im blogozesanen wie im privaten Bereich einige Male auf Erzpriester Dr. Stanislaus Stephan zu sprechen, der, wenn man ihn denn noch kennt, vor allem durch seine Brevierübersetzung Bekanntheit erlangt hat. Es ist sicher angemessen, von einer Person, in deren Werke man sich immer mal wieder versenkt, mehr als den bloßen Namen zu wissen. Darum an dieser Stelle einige Worte über den Gottesmann.

Vielleicht sollte es auch mehr "einige wenige Worte" heißen, denn es ist alles andere als leicht, mehr als ein paar Wörtchen über Stephan herauszufinden. Die Quellenlage ist äußerst dünn und erschöpft sich auf zwei Bereiche: Heimatkundliches aus dem Schlesischen und Biographisches um Pius Parsch. Und noch dazu war das meiste davon für mich nicht verfügbar. Aber sei's drum, lieber wenig als gar nichts. 

Geboren wurde Stanislaus Stephan 1867 in einem kleinen Dorf 60km nordöstlich von Breslau. In der schlesischen Hauptstadt dürfte er wohl auch das Gros seiner Studien als Priesteramtskandidat getätigt haben, bemerkenswert ist aber, dass er eine Zeit lang auch in Rom studierte. Und das unter keinem Geringeren - hier tut das Tradiherz einen kleinen Freudenhupfer - als Kardinal Billot. (Damit sei an dieser Stelle genug gesagt über die vermeintliche Unverträglichkeit von neuscholastischem mit liturgischem Denken, in Kürze mehr dazu). 
Als Doktor der philosophischen und theologischen Disziplin trat er dann mehre Kaplansstellen in seiner Heimat an, bis er schließlich Pfarrer und (1915) Erzpriester der niederschlesischen Stadt Marklissa wurde, in der 1926 verstarb. 

Was kann man nun über sein Wirken sagen? Die Überschrift, bei der sich dem gemeinen Traditionalisten - mir zumindest - die Fußnägel etwas kräuseln, sagt schon viel darüber. Entnommen ist sie einem Vortrag, man kann es sich schon denken, den Pius Parsch auf dem ersten deutschen liturgischen Kongress im Jahre 1950 hielt. Mehr noch, Parsch bezeichnet sich gar als Jünger Stephans (und "nur" als Schüler Beurons und Maria Laachs). 
Wie man es nun auch immer mit dem vereinnahmenden Begriff der Volksliturgie hält, der philologisch hochgebildete und aus antimodernistischer Schule kommende Stephan vermied ihn bewusst; auf jeden Fall war es ein Anliegen des Erzpriesters, die Liturgie auch wieder mehr Sache des Volkes zu machen. Liturgie ist ja nicht nur Werk am Volk, sondern auch Werk des Volkes, ein opus publicum. Und das ist nicht nur eine eng gefasste wie hohle Phrase, wie man die tätige Teilnahme nun landläufig versteht. Dabei ist der gehorsame Vollzug von Vermächtnis und Gedächtnis des Leibes und Blutes Christi, uns von Christus selbst überkommen, unantastbarer Mittelpunkt und Herzstück aller Liturgie. Dieser Stiftung aber gerecht zu werden und sich dabei immer wieder zu hinterfragen ist Aufgabe der Liturgik. Nicht Aufgabe des Einzelnen dagegen ist es, Stiftungstat und Stiftungswillen Jesu zu verkehren, in dem er sich den Vorschriften der Kirche widersetzt. Ihre Vorschriften sind um des Willens Christi da und bilden ein Gesamt, niemals kann das eine gegen das andere ausgespielt werden. Dies ist der Grundgedanke des - allein schon vom Titel her - prophetisch erscheinenden Buches "Tuet dies" oder "Macht was ihr wollt?" aus der Feder des Schlesiers. 

Aber nicht das Buch ist es, welches Stephan so bekannt machte. Seine Übersetzungen, die erste erschien nur drei Jahre nach seiner Priesterweihe, und volkstümlichen Schriften zur Liturgie verbreiteten sich schon kurz nach der Herausgabe millionenfach. Schnell sah er aber ein, dass einer Reform liturgischen Geistes nicht allein per Graswurzelbewegung Erfolg beschienen sein kann, sondern vor allem durch die gründliche Ausbildung des Klerus. Neben dem Missale war ihm Brevier und Psalter besonders wichtig, die Psalmen, das von Gott verfasste Gebet- und Gesangbuch, sollte von den Seelsorgern besser durchdrungen und Gemeingut des Volkes werden. 

Bei aller Verbindung zur liturgischen Bewegung bleibt aber doch ein entscheidender Unterschied zwischen Stephan und den anderen "Volksliturgikern" seiner und vor allem späterer Zeit. Während letztere sich in einem rubrikalen Gefängnis eingesperrt sahen und zurück wollten zu irgendwelchen tatsächlichen oder eingebildeten liturgischen Zuständen grauer Vorzeit, sind für Stephan die geltenden Rubriken Garant dafür, dass dem Stiftungswillen Christi Folge geleistet wird. Vereinfacht ausgedrückt: Während Parsch und andere die Rubriken "zu den Menschen" bringen wollen, will Stephan die "Menschen zu den Rubriken" bringen. Er will die Liturgie, wie sie nach den geltenden Normen gefeiert wird, ihrem Wesen nach verstehen und würdigen. Wie in der Dogmatik - und aus der kam Stephan - entfaltet sich hier Leben und Lehre der Kirche im beständigen Fortschritt und wird nicht zunehmend korrumpiert. Eine "Archäologie des Erstbesten" (J. Ratzinger), wie sie sich verbreiten sollte, ist ihm vollkommen fremd.

Hier sehe ich einen Ansatz, den ein anderer deutscher Liturgiewissenschaftler und Dogmatiker, Johannes Brinktrine - gegen den Strom der damals vorherrschen und immer noch bestimmenden liturgischen Auffassungen von Jungmann auf der einen und Casel auf der anderen Seite - weiter ausfalten wird. Um ihn soll es ein andermal gehen. 

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Noch vor Weihnachten und Nikolaus: Das Römische Brevier nun auch auf Deutsch (online!)

Jede Sprache ist die meine, d.h. jenes Leibes, dessen Glied ich bin. Die über alle Völker zerstreute Kirche redet in allen Sprachen, die Kirche ist der Leib Christi; wenn du also ein Glied jenes Leibes bist, der in allen Sprachen redet, so glaube, daß du in allen Sprachen sprichst.
- Augustinus: Tractatus in Iohannis Evangelium32. Vortrag


Den Freunden des überlieferten Breviergebetes wird die Seite http://divinumofficium.com/ nicht fremd sein. Sie bietet ein umfassendes Angebot, das seinesgleichen sucht ... und eine äußerst praktische Hilfe für diejenigen, die keinen Ordo parat haben und ihre Bändel ordnen müssen.
Was ist jetzt aber neu daran? Seit letztem Sonntag, also mit dem Beginn des neuen kirchlichen Jahres, gibt es die Texte nicht nur auf Englisch, Italienisch, Polnisch und Ungarisch ... sondern nun auch in deutscher Sprache. Übersetzungsquelle ist zum größten Teil die klassische Übertragung des Breslauer Erzpriesters Dr. Stanislaus Stephan. (Man vergisst bisweilen, welch ein bedeutsames Zentrum katholischer Gelehrsamkeit Breslau im deutschen Sprachraum war!)

Ein herzliches Vergelt's Gott also an das Team von Divinum Officium, nun steht dem wahrlich nichts mehr im Wege, dass wir Seinen heiligen Namen preisen!

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Das geheime Adventstürchen


Einen eigenen Adventskalender gibt es bei mir ja nicht. Muss aber auch gar nicht, denn die Kollegen machen das schon ganz ausgezeichnet. Trotzdem kann ich aber auf ein kleines Adventsleckerli aufmerksam machen, dass bei so ziemlich der gesamten Leserschaft irgendwo im Bücherregal schlummern dürfte. Deswegen ist es eigentlich auch gar nicht so geheim, aber manchmal sieht man eben gerade die Dinge nicht, die man ständig vor der Nase hat ... oder haben könnte.

Es handelt sich um eines der Gebete, die löblicherweise vom Priester vor der hl. Messe verrichtet werden können. Das Gesamtgefüge besteht aus einer Antiphon, Psalm 83-85, 115, 129, Responsorien und sieben Gebeten, gefolgt von einem ambrosianischen Gebet für jeden Wochentag. Vormals fand man diese Preces ante (et post) Missam häufig auf Tafeln in den Sakristeien, auf jeden Fall aber in jedem Brevier und Missale. In einer Kurzversion mit nur einem Psalm und abzüglich der Gebete des hl. Ambrosius stehen sie aber auch im Schott, direkt vor dem Meßordo, der sie aus gutem Grund auch den Gläubigen anempfiehlt.

Was hat das nun mit dem Advent zu tun? Ganz einfach, beim siebten und letzten Gebet, das etwas aus der Reihe herausfällt, handelt es sich ursprünglich um eine Adventsoration. Das ist sie im ambrosianischen Ritus auch heute noch, in dem sie zum VI. Advent Verwendung findet. Damit aber nun niemand lange suchen muss, gibt es das Gebet auch hier nochmal samt Schott'scher Übersetzung. Vielleicht kann es uns ... zumindest aber sein Leitgedanke, durch den Advent und in unseren Messbesuchen begleiten:
Conscientias nostras, quaesumus Domine, visitando purifica: ut veniens Dominus noster Jesus Christus Filius tuus, paratam sibi in nobis inveniat mansionem. Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti Deus, per omnia saecula saeculorum.
Wir bitten Dich, o Herr: suche heim und reinige unser Inneres, damit unser Herr Jesus Christus, Dein Sohn, bei Seinem Kommen eine Wohnstätte in uns für Sich bereitet finde: der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Hl. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

Dienstag, 1. Dezember 2015

Das letzte (Macht-)Aufgebot

Da kann man noch so bestrebt sein, alle Übersetzungen zu erwischen, und dann geht einem doch noch etwas durch die Lappen. Ausgerechnet die Übersetzung, die dieser Tage eigentlich die geläufigste sein müsste, eben die aus dem "neuen" Missale - in gewohnt prosaisch-verflachender Form, es gab aber schon Schlimmeres. Und da uns die Oration, wenngleich nur im überlieferten Ritus, noch ein paar Tage erhalten bleibt, soll es wohl erlaubt sein, einen kleinen Nachtrag ... nachzureichen.

Meßbuch von 1975 (Kollekte vom Freitag in der ersten Adventswoche):
Biete auf deine Macht, Herr, unser Gott,
und komm.
Entreiße uns den Gefahren,
in die unsere Sünden uns bringen.
Mache uns frei und rette uns.
Und da man bekanntlich auf einem Bein ziemlich schlecht steht, gebe ich mal noch eine eigene Variante dazu:
Biete auf Deine Macht, o Herr,
wir bitten Dich, komm:
Unter Deinem Schutz mögen wir Rettung finden
aus den drohenden Gefahren unserer Sünden,
und durch Dich befreit,
würdig werden des Heils.