Donnerstag, 30. Juli 2015

Bittet, so wird euch gegeben

Wegen eines Trauerfalls herrscht momentan bei Anni Freiburgbärin von Hufflatich Stille - an dieser Stelle bitte ich die werte Leserschaft ebenfalls um das Gebet - aber dennoch will ich es nicht versäumen, mich hier aufs allerherzlichste zu bedanken. Heute kam bei mir nämlich folgendes Paket an:

Dieses Foto wurde nicht mit der abgebildeten Kamera geschossen.

Vor kurzem bot ich - freundlich, wie ich bin - an, ihre alte Kamera ganz kostenlos zu übernehmen. Anni - freundlich, wie sie ist - sandte mir kurz darauf ihre Kamera zu.

So, jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie man Fotos damit macht!

Vielen Dank, Anni!

Montag, 27. Juli 2015

Der Dinge erhaltende Kraft

Noch ein ganz kleiner Nachtrag mit geistlicher Note zum ersten der fünf Wege. Man könnte noch viel sagen, und es gibt viele alte und moderne Einwände. Aber irgendwann muss es wohl auch einmal weitergehen. Schließen will ich mit einem weiteren sinnenfälligen Beispiel aus der Feder Sertillanges:
»Ein Seemann hält den Anker auf einem Schiff, das Schiff trägt den Seemann, das Meer lässt das Boot schwimmen, die Erde trägt das Meer, die Sonne hält die Erde fest in ihrem Kurs, und ein unbekannter Anziehungspunkt lässt die Sonne an ihrem Platz verbleiben. Aber was dann? [...] Wir können auf diese Weise nicht ad infinitum in einer Serie von Ursachen gehen, die wirklich untergeordnet sind.«
Eigentlich führen wir aber die Kette nicht zu einem Anfangspunkt in der Zeit, wie das Zitat nahelegen könnte, Er steht viel mehr tragend über ihr. Mit dem ersten Gottesbeweis gelangen wir zu einem ersten Beweger, der in keiner Art und Weise wird, ohne den nur Nichts wäre, der transzendent und wesentlich von der wandelbaren Welt verschieden ist. Er ist nicht auf bloße Materie beschränkt, sondern beherrscht alle beseelten und vernunftbegabten Wesen. Er ist der persönliche Gott, in dem wir leben, uns bewegen und in dem wir sind (Apg 17,28), der Gott, von dem die Liturgie singt:
Rerum Deus, tenax vigor
Immotus in te permanens.*
Gott, Du der Dinge erhaltende Kraft,
unbewegt in Dir selbst verbleibend. 

*ambrosianischer Hymnus zur Non 

Von der Hand zum Beweger

»Zu versuchen, sich der Notwendigkeit einer Quelle zu entledigen, 
hieße zu sagen, dass eine Uhr ohne Federn laufen kann, 
vorausgesetzt, sie hat eine unendliche Anzahl von Zahnrädern.« 
Garrigou-Lagrange

Ergebnis der letzten beiden Beiträge war, dass wesentlich geordnete Kausalketten im Hier und Jetzt, in jedem Moment, auf einen ersten Beweger zurückgehen müssen. Mit dem Beispiel des hl. Thomas vom Stock und der Hand habe ich versucht, das ein wenig deutlich zu machen. Aber streng genommen haben wir hier auch wieder ein kleines Problem: die Hand ist nämlich kein erster Beweger. Sie hängt nämlich von der Bewegung des Armes, dem Anspannen von bestimmten Muskeln usw. ab.

Um zu verstehen, worum es bei diesem Regress eigentlich geht, und warum und wie er zu einem Ende gebracht werden muss, müssen wir uns an einen Grundgedanken des Aquinaten erinnern. Für ihn ist Bewegung oder Veränderung das Übergehen von der Potenzialität in den Akt, von der Möglichkeit in die Wirklichkeit oder Tatsächlichkeit. Wenn wir also sagen, dass etwas bewegt wird, das wiederum von einem anderen bewegt wird und immer so weiter, dann heißt das eigentlich nichts anderes, als dass eine bestimmte Potenzialität von etwas in den Akt überführt worden ist (oder aktualisiert wurde), welches wiederum von etwas aus der Potenzialität in den Akt überführt worden ist ... und immer so weiter.

Ein Ende können wir hier nur da finden, wo etwas nicht selbst aktualisiert, in den Akt überführt worden ist. Etwas, dass nur im Akt oder aktual ist, etwas Unbewegtes. Die Potenzialität der Hand zur Bewegung wird hier und jetzt durch die Anspannung von Muskeln aktualisiert, die Potenzialität der Muskeln zur Anspannung wird hier und jetzt durch Motoneuronen aktualisiert und so weiter. Der Prozess muss irgendwann von etwas aktualisiert werden, was nicht wiederum selbst aktualisiert wird. Und das ist der unbewegte Beweger.

Hier schließt sich gewissermaßen der Kreis, mit dem ich die Teilserie begonnen habe.

Samstag, 25. Juli 2015

Der Pinsel malt nicht selbst (2)

Zuletzt ging es um die wesentlich geordneten Kausalketten, bei der jedes Glied vom vorherigen abhängig ist. Dieser Gedanke ist ganz zentral für den Beweis aus der Bewegung, aber zur Kontrastierung zunächst einmal ein Beispiel für akzidentell, zufällig geordnete Serien von Ursachen.

Hier ist die ursächliche Tätigkeit irgendeines Gliedes in der Kette nicht wesentlich abhängig von einem vorhergehenden Glied. Anschaulich gemacht: Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob, Jakob zeugte Josef. Nachdem Isaak von Abraham gezeugt worden ist - und die entsprechende Reife erlangt hat - ist er selbst dazu fähig, Jakob zu zeugen. Es macht nichts, wenn Abraham in der Zwischenzeit stirbt, er ist nicht länger von ihm abhängig. Natürlich würde er ohne Abraham nicht existieren, aber da er nun existiert, hat er selbst die Befähigung, einen Sohn zu zeugen. Abraham spielt dabei keine Rolle mehr.

In dieser Art von Kausalketten müssen wir die Tätigkeit irgendeines Gliedes nicht zurückverfolgen. Anders als die Hand, die Stab und Stein als Instrument verwendet, zeugt Jakob selbst den Josef, nicht etwa Abraham, der Isaak und Jakob als Instrument gebraucht.

Was will uns Thomas also sagen? Es liegt in der Natur von wesentlich geordneten Kausalketten, einen ersten Beweger zu haben. Er ist die Quelle aller nachfolgenden Ursachen. Wenn er wegfällt, hört die Kette auf zu existieren und Stab und Stein und Blatt bewegen sich nicht. Hier einen unendlichen Regress anzunehmen macht schlichtweg keinen Sinn. Alles Bewegte wird von einem Anderen bewegt.

Der sehr viel später geborene Ordensbruder des Aquinaten, Sertillanges, drückte den Gedanken sehr schön aus: Wer sagt, dass instrumentelle Ursachen ins Unendliche gehen können, der kann auch sagen, dass ein Pinsel selber malen kann, vorausgesetzt, der Stiel ist lang genug.

Freitag, 24. Juli 2015

Wie die Warnung auf der Kippenschachtel ...

Im theologischen Studium kommt man ja leider nicht umhin, die alleralleraller, ja wirklich, die allerdunkelste Epoche der Kirchengeschichte zu besprechen: Das Zeitalter der Neuscholastik und der Modernismuskrise. Den Lehrkörpern merkt man an, die schlimme Zeit haben sie immer noch nicht verdaut. Denn wenn man ihnen an die Lehre geht, da ist der Spaß vorbei! Hexen ins Feuer, Zwangsbekehrung, Kreuzzug, meinethalben, alles, aber nur nicht das! So denkt man da.
Vor einem Problem stehn' sie nur auf einmal. Die höchste Lehrgewalt, die mehr ist als alle Doktorhüte und Talare dieser Welt, die hat doch gesprochen, ziemlich klar. Dem Professor macht das nichts aus, man verstehe mich nicht falsch! Aber den kleinen naiven Studenten kann sowas natürlich ganz schwer in die Irre führen, hat man in ihm das letzte Fünkchen Kirchlichkeit noch nicht vollends ausgelöscht. Also führt man Abschreckungsmaßnahmen ein, garniert entsprechende Traktate - bei der Liturgie ist's nicht viel anders - mit Schreckensszenen aus dem Poesiealbum des horror theologicus.

So zumindest ist's bei mir. Neulich zauberte man hier Umberto Benigni hervor ... aus genanntem Doktorhut, will ich fast sagen ... zur Prävention. Per Powerpoint:
»Wir sind integrale Römische Katholiken. Wie es dieser Begriff anzeigt, akzeptiert der integrale Römische Katholik vollständig (integral) die Lehre, die disziplinäre Ordnung und die Anweisungen des Heiligen Stuhles sowie alle ihre legitimen Konsequenzen für das Individuum und die Gesellschaft. Er ist ‚papal‘, ‚klerikal‘, antimodernistisch, antiliberal und antisektiererisch. Also ist er völlig (integral) konterrevolutionär, weil er nicht nur der Feind der jakobinischen Revolution und des sektiererischen Radikalismus ist, sondern auch des religiösen und sozialen Liberalismus.« 
Doch! Ein Lächeln überzog da meine Lippen, ganz warm und heimelig wurd' mir um's Herz. Und auf dem Nachhauseweg ... steckte ich mir gemütlich eine Zigarette an.

Der Pinsel malt nicht selbst (1)

Wir sind vor einiger Zeit beim ersten Beweis, dem Beweis aus der Bewegung, und seinen zugrundeliegenden philosophischen Prinzipien stehen geblieben. Dabei haben wir festgestellt, dass alles, was in Bewegung ist, wiederum von einem anderen bewegt wird. Für einen Gottesbeweis reicht das aber nicht aus. Dazu brauchen wir noch die zweite Proposition: Es gibt keinen unendlichen Regress in einer Serie von Bewegern, die wirklich und wesentlich untergeordnet sind.

Der Satz basiert auf dem Prinzip der Kausalität und hat gar nichts mit einer vermeintlichen Annahme zu tun, dass eine unendliche und unzählbare Vielheit nicht existieren könnte. Bei akzidentell untergeordneten Ursachen wäre es, so Thomas, theoretisch möglich, dass sie ins Unendliche gehen. Darum muss er Aristoteles nicht vollkommen darin widersprechen, wenn er sagte, dass die Welt keinen Anfang in der Zeit hat, dass sie unendlich ist - das könnte sie aus rein philosophischer Sicht nämlich tatsächlich sein. Ein großer Streitpunkt in den Universitäten seiner Zeit.

Was ist jetzt aber der Unterschied zwischen essenziell (oder per se) geordneten Kausalketten und akzidentell (zufällig) geordneten Kausalketten? Für die erstere Variante bringt der Aquinate das Beispiel vom Stab und der Hand. Der Stab bewegt sich nur, wenn er von der Hand bewegt wird, er hängt vollkommen von ihr ab. Die Serie ließe sich aber noch weiter führen. Der Stab kann einen Stein bewegen und der wiederum ein Blatt. Das Blatt hängt von der Bewegung des Steines ab, der Stein vom Stab und der Stab von der Hand. Stoppt irgendein übergeordnetes Glied in dieser Kette, dann hört auch sofort jede untergeordnete Bewegung auf - die Kraft der Stabes und die des Steines hängt vollkommen von der Hand ab.
So lässt sich streng genommen sagen, nicht der Stein bewegt das Blatt und nicht der Stab, der den Stein bewegt - die Hand bewegt alles, sie benutzt den Stein als Instrument, um das Blatt zu bewegen, und den Stab als Instrument zur Bewegung des Steines.

Beim nächsten Mal geht es weiter mit den akzidentellen, zufällig geordneten Kausalketten ... und ich komme dann hoffentlich auch dazu, zu erklären, was es mit dem Titel auf sich hat.

Donnerstag, 23. Juli 2015

Dialog zwischen dem hohen Klerus Deutschlands und dem niedern Evangelium Palästinens

Es scheint jüngst in Mode gekommen zu sein, konservativ geneigten Geistlichen fürstbischöfliches Gehabe vorzuwerfen oder aber die progressiv-geschmacksbefreite Fraktion gleichsam damit auszuzeichnen, dass sie jeden hochwürdigen und würdigsten Pomp fern von sich weist. Ob sie wohl wissen, dass sich der Reichsprälat nicht vornehmlich durch Brokatornat und güldnes Gerät, sondern durch seine weltlich' Ehr auszeichnete? Und nicht selten sind's gerade jene - scheinbar schon rein vergeistlichten - Gestalten, die da vom Staat belehnt und gut bepfründet die goldnen Nasen rümpfen ... über Kleriker, die nicht selten im Vergleich wie ärmste Mendikanten wirken.

Aus priesterlichem Munde, einer, der über schlechten Sold kaum klagen muss, hörte ich zum ersten Mal die zitierten Zeilen. Zu welcher Partei er sich zählte, na, auch das hörte man dabei irgendwo heraus. Vielleicht sollten sich die gar so unfürstlichen Herrschaften den Dialog noch einmal zu Gemüte führen. Und überlegen, wer dieser Tage ... vielleicht nicht gerade Glanz und Hut ... doch aber Erdengut für sich zuhauf in Anspruch nimmt.
Klerus:
Der große Sieger kam,
Und sah und siegt’ und nahm
Uns Geistlichen der Erde Glanz und Gut,
Und Macht und Ehr und Schwert und Fürstenhut
Und alles Hoch- und Weltlichsein.
Evangelium:
Noch steht der größre Mann,
Der schadlos halten kann,
Und schenket zum Ersatz für Erdengut
Und Macht und Ehr und Schwert und Fürstenhut –
Euch Geistlichen das Geistlichsein.
Bischof Johann Michael Sailer: Brief an Eleonore Auguste Gräfin Stolberg-Wernigerode vom 28.2.1801, in: ders., Briefe, hg. v. Hubert Schiel, Regensburg 1952, 222f.  (Entstanden am 20.7.1800). 

Dienstag, 21. Juli 2015

Laßt, die ihr eingeht, alle Hoffnung schwinden!

Nachdem sich die Freiburgbärin dem Thema in zwei Beiträgen gewidmet hat,
an dieser Stelle auch noch mal etwas von mir 

Wenn man überhaupt noch von der Hölle redet, dann zumeist, um ihre Existenz zu verleugnen. Man hört da so etwas wie: „Gott ist zu gut, als dass es eine Hölle geben könnte!“ Damit wird aber gleich schon eine ganz entscheidende Tatsache verdreht, die Schuld umgekehrt. Nicht Gott ist für die Hölle verantwortlich, sondern der Mensch.

Gott hat uns gegenüber immer seine unendliche Güte gezeigt. Aber trotzdem kann er dulden, dass der Mensch ihm widersteht. Jetzt mag einem wiederum vorgehalten werden: „Aber Gott verzeiht!“ Genau das tut er. Alles, wirklich alles verzeiht Gott, sobald das Herz Reue empfindet. Aber ohne Reue kann keine Sünde verziehen werde. Die Sünde fordert eine Welt, die wie die Sünde ganz von Gott getrennt ist; sie fordert ein Feuer, das fast so brennt wie das Feuer der Liebe. Und selbst hier fehlt das Erbarmen Gottes nicht, denn es bewirkt, dass man weniger leidet, als man verdient.

Die Hölle will nicht dazu passen, was wir von Gott zu wissen meinen. Fast die gesamte Welt hat Gott als den Gütigen, den unendlich Barmherzigen kennengelernt. Aber woher wissen wir etwas von dieser Güte, dieser Barmherzigkeit? Nur aus einem einzigen Buch stammt dieses Wissen, es ist das Evangelium. Und kein anderes Buch hat auch gleichzeitig so sehr die furchtbare Strenge Gottes offenbart. Schauen wir uns einige Stellen an:

Sonntag, 19. Juli 2015

(Statt Lernen): Teresa am Sonntag

Manche von Euch werden das kennen. Entweder man kann bloggen und will nicht, oder man will und kann nicht. Wenn sich einer also wundert, dass hier gerade mal wieder etwas Flaute herrscht: Es ist Prüfungszeit. So richtig mit dem Lernen habe ich es aber eigentlich nicht, erst recht nicht mit dem Bulimiebüffeln, mittels dessen der bundesdeutsche Universitätsbetrieb uns dieser Tage in Akademiker verwandeln will. Trotzdem macht Bloggen in dieser hochheiligen Zeit ein schlechtes Gewissen. Drum heute nur BamS mit Motiven, die ich schon länger mal abknipsen wollte. Denn die heilige Teresa von Avila begegnet einem nicht alle Tage in Schaufenstern von bedeutsamen Straßenzügen, gleichwohl wir gerade ihr 500-jähriges Jubiläum feiern:



Und hier geht's rein: Hohmannhaus. Maximilianstraße 48, 86150 Augsburg 


Weitere Infos zur Ausstellung gibt es bei der Augsburger Allgemeinen.
Ein Jubiläums-Blog hat der Kollege von et nunc hier eingerichtet.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Das gibt es nirgendwo anders nur hier - nur hier!

Da sag' noch einer, die moderne Theologiestudiererei brächte nur Frust, Ärger und Depression. Weit gefehlt! Es kann dabei durchaus schon mal ganz amüsant zugehen. Den Abend versüßt hat mir heute Reinhard Meßner* - nomen est omen - mit seiner Einführung in die Liturgiewissenschaft:
»Die Eucharistie ist zum normalen täglichen Gottesdienst einer römisch-katholischen Pfarrgemeinde geworden (dies gibt es in keiner anderen Kirche).«
Paderborn u.a.: Schöningh-Verlag 2001, S. 276. Meine Hervorhebung.

* Der, wie jeder Theologe unserer Tage, der was auf sich hält, schon mal römischerseits gemaßregelt werden musste.

Ein politisch noch viel unkorrekterer Heiliger - inkl. Euro-Zukunftsprognose


Politisch unkorrekte Heilige scheinen gerade Konjunktur zu haben. Zumindest gab es bei der Kollegin drüben einen - man mag es kaum glauben - heidentaufenden Franz Xaver zu sehen. Aber wenn ich ehrlich bin, einen politisch korrekten Heiligen kann ich mir ohnehin nicht vorstellen ... denn ging es in der Politik schon mal 100% korrekt zu?

Jedenfalls begegnete mir in einem erfrischend-volkstümlichen Heiligenbuch heute die Geschichte des hl. Kaisers Heinrich, und die wurde gleich doppelt und dreifach unkorrekt erzählt:
»Überhaupt, du bist in 22 Jahren Deiner Herrschaft kaum aus den Wehrgehänge herausgekommen. Niemand hätte Dir bei Deiner Kränklichkeit zugeraut, daß Du so schlagfertig von Grenze zu Grenze eiltest, buchstäblich 'von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt'. Überall erhoben sich Landfriedenstörer, zumal im Osten, wo Slawen und Wenden ausdehnungslüstig waren. Dein Verdienst ist es, den deutschen Raum vom Eindringen einer halbasiatischen Kultur bewahrt zu haben; mehr noch: Du hast Germanentum und Christentum weiter gen Osten getragen, als je einer vor Dir. + Aber Italien habest Du verscherzt, sagt man. Und das soll ein Mißverdienst sein? Daß Du rechtzeitig erkanntest, wie wenig 'Nord und südliches Gelände' sich auf die Dauer miteinander vertragen würden?«
Albert KrautheimerHeilige Deutschlands. Karlsruhe: Badenia Verlag o.J. (nach 1945), S. 120f.
Bild: ebenda.

Dienstag, 14. Juli 2015

Die Eigenmessen der Diözese Augsburg

Zum Herunterladen (8 MB)
Neulich erst waren es die Eigenfeste für's Brevier, jetzt kamen mir die Propria des Messbuchs in die gierigen Hände. Und weil Geben seliger denn Nehmen ist und bonum diffusivum sui, habe ich das Ganze mal geschwind eingescannt und hochgeladen. Vielleicht gibt es ja hier noch den ein oder anderen Augsburger Diözesanen, den es interessiert.

Einfach dem Link oben folgen oder hier klicken.

PS: Eine eigene Ausgabe ist in Arbeit und wird in Bälde veröffentlicht.

Luther, komm bald wieder

Da nichts so alt wie die Jubiläumsfeierlichkeit von gestern ist, wollte ich es auch mit eineinhalb Beiträgen zu Jan Hus bewenden lassen. Da man aber allenthalben (und gefühlt seit mindestens einem Jahrzehnt) schon mit dem nächsten Jubeltrubel konfrontiert wird, gibt es dann doch noch was dazu. Nicht, dass mich nochmal groß echauffieren kann, ein neues Ärgernis erwarte ... alle großen Aufregmöglichkeiten dürften fürs Erste ausgeschöpft sein. Zehn mal wahrer als anno dazumal ist nämlich jetzt, was Goethe seiner Zeit zum Jubiläum schrieb:
»Pfaffen und Schulleute quälen unendlich, die Reformation soll durch hunderterley Schriften verherrlicht werden; Maler und Kupferstecher gewinnen auch was dabey. (...) [U]nter uns gesagt, ist an der ganzen Sache nichts interessant als Luthers Charakter und es ist auch das Einzige, was der Menge eigentlich imponirt. Alles Übrige ist ein verworrener Quark, wie er uns noch täglich zur Last fällt
Nun ja, kaum angefangen zu schreiben, bin ich schon wieder vom Thema abgekommen. Um Hus sollte es gehen, und aus seinem Lemma im LThK¹ wollte ich zitieren. Das passt jetzt aber irgendwie nicht mehr so ganz und würde den Rahmen sprengen. Also zur Abwechslung mal was Gutes über Luther, den wie vielen anderen Kirchenmännern heute die gute Etikette der Kirche verdroß, und die Reformation unter Hus-Hinzunahme. Es hatte nämlich doch was Positives, und als Zeugen hole ich mir da einen ganz Unverdächtigen zur Hilfe:
»Sie warfen mit ihrer nordischen Kraft und Halsstarrigkeit die Menschen wieder zurück, erzwangen die Gegenreformation, das heisst ein katholisches Christenthum der Notwehr, mit den Gewaltsamkeiten eines Belagerungszustandes und verzögerten um zwei bis drei Jahrhunderte ebenso das völlige Erwachen und Herrschen der Wissenschaften (...).« aus Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches.
Eine starke Burg ward unsre Kirch! Ja, wenn das wahr ist, wie sehr hätte man sich, als die zwei, dreihundert Jahre abgeklungen sind, einen neuen Luther herbeigewünscht! Gekommen sind aber bloß noch Lutherchen, und eben der Modernismus. Was hat das jetzt aber mit Hus zu tun? Es war das seltsame Zusammenspiel der Absichten, so Nietzsche, welches dem Augustinerpater das Schicksal des Letztgenannten ersparte. Und »wäre Luther verbrannt worden wie Huss - die Morgenröthe der Aufklärung [wäre] vielleicht etwas früher und mit schönerem Glanze, als wir jetzt ahnen können, aufgegangen.«

Gottlob ist dieser infernalische Feuerball nicht noch mächtiger aufgestiegen, als er es ohnehin schon tat. Unsre arme Erde wär' womöglich vollends verbrannt. Drum: Danke Luther, danke Reformation. Und kommt bald wieder.

Freitag, 10. Juli 2015

Als frohe Mutter von Kindern


Besonders eindrückliche Worte begegneten mir bei Petrus Chrysologus via Kardinal Schuster an diesem Morgen anlässlich des Festes der hl. Felicitas und ihrer Söhne. Der Herr gewähre uns, dass wir auch nur einen kleinen Funken dieses Glaubens fassen können:
»Glückselig sie, die umstrahlen in der ewigen Herrlichkeit ebenso viele Leuchter wie Söhne!* Glückselig sie, dass sie so viele Söhne vor sich her sandte zum Himmelreiche! Glückseliger aber noch ist sie, dass sie ihren Schatz in dieser Welt nicht verlor! Noch mit größerer Freude schritt sie einher zwischen den durchbohrten Leichen ihrer Söhne, als zwischen den teuren Wiegen derselben; denn mit ihrem geistigen Auge sah sie so viel Siegeszeichen als Wunden, so viel Ehrenpreise als Folterwerkzeuge, so viel Kronen als Opfer! Wozu soll ich noch mehr sagen, Brüder? Die wäre keine wahre Mutter, die ihre Kinder nicht so lieben könnte.«

*Leuchtermotiv als Anspielung auf die siebenarmigen Leuchter
Übersetzung entnommen der Bibliothek der Kirchenväter
Bild: Hl. Felicitas u. Söhne in St. Peter am Perlach, Augsburg, Nachbildung des Originals. Letzteres befindet sich im Maximilianmuseum, durch die Bemalung strahlt es doch einen ganz anderen Charakter aus. Eine Abbildung findet sich auf dieser Seite.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Wo unsre Kraft nicht langt

»Wie oft des Sieges süße Botschaft, 
Fried' erklang, Durch Ihre Macht,
 welch Freud' Ihr Lächeln den alten Vätern bracht.«


Einen gewohnt tiefschürfenden Beitrag zum Fest der Friedenskönigin gibt es beim Kollegen Andreas zu lesen. Inhaltlich kann ich dem kaum noch etwas hinzufügen. Beisteuern möchte ich dabei nur eine Sache, und zwar ein Mittel zur Erlangung des Friedens: den hl. Rosenkranz.
Aus der dunkelkatholischen Ecke kommend mag dieser Hinweis kaum überraschen - und schließlich wurde er uns von vielen Päpsten anempfohlen. Vielen mag das aber eher befremdlich erscheinen, und ob wir es eingestehen wollen oder nicht, vielleicht mutet der ein oder andere Aspekt althergebrachter Frömmigkeit uns ebenfalls seltsam an. Wenn wir da vom Rosenkranz als Waffe hören, vom Niederschlagen von Irrlehren oder vom Sieg über heidnische Feinde ... dann kann das bisweilen sogar abstoßend wirken. Zu sehr hat sich das Empfinden der Menschen verändert, zu sehr haben sich die Katastrophen des letzten Jahrhunderts in unseren Köpfen eingebrannt. Aber noch entscheidender die Frage: Was sollen diese fünfzig Perlen gegen das millionenfache Leiden nutzen?

Einen möglichen Antwortversuch, einen Schlüssel gibt uns Pius XII. in der Einleitung seiner Enzyklika Communium interpretes vom April 1945 an die Hand: »Wir wissen aber auch zur Genüge, dass menschliche Kräfte allein hier versagen müssen.« In der menschlichen Kraft liegt es tatsächlich, ein furchtbares Zerstörungswerk zu schaffen. Im Übel allein ist es, wo der Mensch gleichsam als furchtbare Karikatur des Schöpfer wirkt. Und sollen die Nachkommen Adams jene Wunden heilen können, die sie sich selbst zugefügt haben? Ich denke, es sind auch wieder die Erfahrungen der letzten hundert Jahre, die uns gelehrt haben, dass wir dieser Aufgabe nicht gewachsen sind. Ob Völkerfreundschaft, Völkerbund oder Vereinte Nationen - so wichtig und gut Friedensvorhaben sind, so sehr sind sie doch auch immer vom Scheitern bedroht. Wir wissen alle, wie langanhaltend Zwiste im Kleinen, im zwischenmenschlichen Bereich anhalten können, wie unzufrieden wir mit jedem Kompromiss oder jeder Niederlage sind. Wie soll da nach Krieg und Not auf einmal Gerechtigkeit und Ausgleich und Versöhnung herrschen können?

Der Friede kann niemals nur ein menschliches Werk sein, er ist zuallererst Gabe Gottes. Das gläubige Volk hat schon früh erkannt, dass es da ganz besonderes bei Maria Schutz und Zuflucht, und eine sichre Fürsprecherin finden kann. Ich selbst bin mit diesem Motiv gewissermaßen aufgewachsen, oft betrachtete ich das Bild der Madonna von Stalingrad, welches das Wappen der örtlichen Garnison ziert. Die allerseligste Jungfrau hat die Sorgen dieser Welt gekannt, und auch den Schmerz und das bittre Leid auf Golgotha.
Gerechtigkeit und Liebe sind allein das Fundament des wahren Friedens, der vom Himmel kommt. Und sie sind enthalten in der Botschaft des Evangeliums, das wir im Rosenkranzgebet betrachten. So richten wir mit dem marianischen Psalter nicht nur unser Gebet an eine mächtige Mittlerin, sondern wir legen selbst schon die Grundlage des Friedens in unseren Herzen, indem wir uns gleichförmig machen, machen lassen. Willst Du Frieden, schreibt Augustinus, so ändere Dein Herz und handle gerecht. So wird das Reich Gottes, das Reich Jesu Christi, welches ein Reich des Friedens ist, in uns beginnen.

Bild: Aufgenommen in der Rosenkranzbasilika, Berlin.
Eingangszeilen der Elegie Adjutrici Christianorum Leos XIII. entnommen und frei übertragen.

Mittwoch, 8. Juli 2015

In Herzensfreude

»Diene dem Herrn in Herzensfreude. Sei doch in Gottes Welt kein trüber Gast. Mach Schande nicht dem Herrn, den du hast; im Aeußern zeige, daß du jenem dienst, der sprach: Mein Joch ist sanft, und leicht ist meine Last.«
Tilmann Pesch, SJ: Christliche Lebensphilosophie. Gedanken über religiöse Wahrheiten. Freiburg i. Br.: Herder 1914. S. 537

Danke für meine Eigenfeste, danke für alle Propria!


Mein herzlicher Dank, versehen mit einem großen vergelt's Gott, geht an Dr. Martin Fiedler. Der wies mich nämlich auf diese Unterseite von introibo.net hin, wo ich die Officia propria der Diözese Augsburg finden konnte. Das hat mir viel Arbeit und Mühen erspart.
Apropos Officia propria: Dr. Fiedler hat im vergangenen Jahr einen attraktiven Neudruck der Eigenfeiern von München-Freising herausgegeben. Zu beziehen sind die Heftchen hier. Von Bayern ausgehend sollen sukzessive alle Proprien der deutschen Bistümer im Neudruck erscheinen. Aktuell wird an den Regensburger Festen gearbeitet.

Dienstag, 7. Juli 2015

Gut getrollt, KHG

Diese Hus-Hudelei, welche dieser Tage inner- und außerkirchlich gepflegt wird, geht mir nicht nur gehörig auf den Senkel - sie belastet mich auch ziemlich. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit den verurteilten Sätzen war nämlich mitursächlich dafür, dass ich trüberen Fahrwassern der Tradition entfleucht bin. Um so willkommener war mir dann diese kleine Erfrischung vom verständnisvollen Einerlei vor den Toren der geisteswissenschaftlichen Teilbibliothek: 


Montag, 6. Juli 2015

Früher wie heut' (2): Die verderbliche Diktatur der Professoren

»Das Konzil von Konstanz war ein Parlament der Nationalitäten gewesen, das von Basel war ein Tummelplatz der Professoren. Was Professoren zustande bringen können, wenn man sie zu hunderten und zu hunderten zusammenbringt und nach ihrem Belieben schalten läßt, das muß man hier studieren, denn ein zweiter Fall kommt, zum Glück für Welt und Kirche. in der Geschichte nicht wieder vor. (...) (E)s [gelang] ihnen nicht bloß, sich eine ganz ungebührende Stellung in der Leitung der Geschäfte, ja des Konzils selber zu verschaffen, sondern sie riefen auch bei den Gelehrten der ganzen Welt einen regen Wetteifer hervor, sich gleich ihnen zu Ratgebern der Christenheit, zu Lehrern der Kirche, zu Gesetzgebern für Klerus und Volk, zu Führern der kirchlichen Angelegenheiten, zu Richtern über Papst und Bischöfe aufzuwerfen. Erwägt man den traurigen Ausgang dieser Professorenwirtschaft, dann erhalten ihre Äußerungen, die man sonst als naive Kundgebungen harmloser Stubenweisheit belächeln möchte, einen recht bedenklichen Sinn. Für sie ist die Universität, (...), das größte Licht der Welt; wo dieses Licht leuchtet, da ist für die Finsternis kein Platz, da kann keine Häresie aufkommen. An ihrer Fakultät hat die katholische Wahrheit ihren Sitz aufgeschlagen, und nirgends kann diese besser erkannt werden als bei ihnen. Hier ist die Quelle aller Wissenschaft, der Thron alles theologischen Wissens, das hell glänzende Licht für die Kirche, die Ehre der ganzen Welt. Wer die Professoren, die im göttlichen Gesetz Erfahrenen, nicht zu Rate zieht, begeht ein Unrecht, wenn nicht eine Gottlosigkeit und ein Sakrileg. (...) Gleichwohl war die abergläubische Verehrung vor der Wissenschaft damals so groß, daß sie ungestraft ihrer Selbstüberhebung frönen und sagen durften, den Pariser Theologen stehe es zu, lehrmäßig über Glaubensfragen zu entscheiden und eine Art obersten Gerichtshof der Theologie selbst für Rom zu bilden. (...) Es fehlte wenig, daß sie die Kirche hätten im Namen des Heiligen Geistes regieren wollen.«
Eigentlich schlug ich den Wälzer auf, um mich über einen ganz anderen Ketzer Glaubenslehrer zu belesen - mehr dazu in einem kleinen Bildbeitrag morgen -  aber eine so "zugriffsgenerierende" Überschrift konnte ich dann doch nicht überschlagen. Wer Parallelen zu anderen Zeiten und Konzilien findet, der darf sie gerne behalten.

aus H. Denifle, OP, und A. M. Weiß, OP: Luther und Luthertum in der ersten Entwicklung (Bd. II). Mainz: Kirchheim & Co. 1909. S. 74ff.

Montag in der Ulrichsoktavwoche


Oktaven, so lehrten uns die Liturgiekünstler des vergangenen Jahrhunderts, sind ein Unding und abusus. Irgendwie kriegt man aber doch nicht immer alle Feierlichkeiten in einen Tag gequetscht, und so bedient man sich der gar weltlichen Woche. So aktuell auch in Augsburg, wo die Ulrichswoche begangen wird. Der Schrein des Heiligen wurde vergangenen Freitag aus der Krypta erhoben und bleibt bis zur Reponierung am kommenden Samstag an seinem Altar ausgestellt.
Mir fiele noch das ein oder andere ein, etwa zur letzten Ulrichswoche von 1955 unter dem Zeichen der abendländischen Bewegung (deren Sonne wenige Jahre später erlosch), oder zur Darstellung eines ganz unvölkisch zelebrierenden Ulrichs, der sogar als Statue "mit dem Rücken zum" dasteht. Aber ich lasse es besser mal bei diesen ärmlichen Zeilen und dem Bild bewenden ... jedoch nicht ohne den Bittruf: Sancte Udalrice, ora pro nobis!

Bild: Basilika St. Ulrich und Afra, Augsburg. Oster- und Ulrichsaltar.

Samstag, 4. Juli 2015

Man gönnt sich ja sonst nichts


Ärgerlich: In der Ausgabe von 1926 (Dinglingen: St.-Johannes-Druckerei) wurde auf die zahlreichen Anmerkungen der früheren Editionen verzichtet. Stattdessen gibt es nur schnöde Fußnoten a la "nach dem Griechischen" und "nach dem Hebräischen soundso". 

Freitag, 3. Juli 2015

Ein Allerheiligen der Päpste


Für den heutigen Tag findet sich im pro-aliquibus-locis-Teil präkonziliarer Messbücher das Gedächtnis Omnium SS. S. Romanae Ecclesiae Summorum Pontificum, zu deutsch, aller heiligen Päpste der heiligen Römischen Kirche. Die Kollekte ist dem gregorianischen Sakramentar des 8. Jahrhunderts entnommen (Orationes in natale papae, Sp. 824) und fand auch Eingang ins moderne Missale als Tagesgebet zum Fest Gregors des Großen - freilich mit ordentlich deutschkirchlichem* Weichspüler versehen. Ich denke, das Gebet verdient es, nicht nur an diesem Ort eingestellt, sondern auch gebetet zu werden:
Deus, qui populis tuis indulgentia consulis, et amore dominaris: da spiritum sapientiae, suffragantibus meritis Antistitum Ecclesiae tuae, quibus dedisti regimen disciplinae; ut de profectu sanctarum ovium fiant gaudia aeterna pastorum. Per Dominum.
O Gott, der Du für Dein Volk in Milde sorgst und es in Liebe regierst, gewähre, durch die Fürsprache der Verdienste der Bischöfe Deiner Kirche, jenen den Geist der Weisheit, denen Du die Leitungsgewalt übertragen hast, damit das Gedeihen einer heiligen Herde zur ewigen Freude der Hirten werde. Durch unsern Herrn. 

*Was hörte ich dieser Tage einen Kommilitonen nach einer Vorlesung sagen? »So oft wie hier habe ich das letzte Mal auf einer Versammlung der Deutschen Burschenschaft die Wörter 'Deutschland' und 'deutsch' gehört.«

Bild: Hoher Dom zu Augsburg, Tiara über der Erinnerungsplakette errichtet zum Gedächtnis des Besuchs Pius VI. 

Donnerstag, 2. Juli 2015

Vergleichende Liturgiewissenschaft am Donnerstag

Schon lange gab es hier keinen Vergleich mehr zwischen den verschiedenen Liturgien der römischen Familie. Darum zum heutigen Fest die Kollekten aus dem römischen, dominikanischen und karmelitischen Ritus in genau dieser Ordnung. Mein Favorit ist die Oration der Predigerbrüder - zwar ist sie etwas ausschweifender, betrachtet aber doch stärker das eigentlich Festgeheimnis.
R.: Famulis tuis, quaesumus, Domine, caelestis gratiae munus impertire: ut, quibus beatae Virginis partus exstitit salutis exordium; Visitationis eius votiva solemnitas, pacis tribuat incrementum. Per Dominum.
Deinen Dienern, so bitten wir, Herr, schenke die Gabe himmlischer Gnade, damit jenen, denen die Mutterschaft der seligen Jungfrau den Anfang des Heils gezeigt hat, die Festfeier ihrer Heimsuchung Wachstum des Friedens verleihe. Durch unseren Herrn ...
D.: Omnipotens et misericors Deus, majestatem tuam suppliciter exoramus: ut, sicut Unigenitum tuum per Visitationem et salutationem Genetricis ejus puero clauso in utero revelasti, ita, meritis ejusdem Genetricis et precibus, ipsum nos facias revelata facie perpetuo contemplari: Qui tecum vivit.
Allmächtiger und barmherziger Gott, Deine Majestät flehen wir in Demut an: wie Du Deinen Eingeborenen durch die Heimsuchung und Begrüßung Seiner Mutter durch ein Kind im Schoße offenbart hast, so mögest Du uns, durch die Verdienste und Gebete derselben Mutter, zur ewigen Schau Seiner selbst, offenbart von Angesicht zu Angesicht, bringen. Der mit Dir lebt ...
K.: Omnipotens sempiterne Deus, qui, ex abundantia caritatis, beatam Mariam, tuo filio fecundatam, ad salutationem Elisabeth inspirasti: praesta, quasumus; ut per ejus Visitationem donis caelestibus repleamur, et ab omnibus adversitatibus eruamur. Per undem Dominum.
Allmächtiger, ewiger Gott, der Du im Übermaß der Liebe die selige Jungfrau Maria, als sie Deinen Sohn im Schoße trug, zum Besuch bei Elisabeth angeregt hast, wir bitten Dich, dass wir durch ihre Heimsuchung mit himmlischen Gaben erfüllt und allem Unheil enthoben werden. Durch denselben Herrn ...