Sonntag, 29. Juni 2014

Wdh.:Fest der hll. Apostel Petrus und Paulus, Teil III

Station in der Paulsbasilika

Zweite Messe

"[...] Am ostiensischen Weg steht das Grabmal Pauli, auf der linken Seite des Tiber.
Die Pracht des Gebäudes ist königlich: unser frommer Fürst hat den Schrein gewidmet,
und eine Fülle an Schätzen in seinen Wänden ausgegossen. [...]

Sieh in den Straßen, die Menge der Römer zieht hin und her;
die Feste sind zwei, die Freude eins.
Und wir eilen mit schnellem Schritt, wollen beide Heiligtümer besuchen,
Anteilnehmen an beiden Feiern. [...]

Der Pontifex, nach der Nachtvigil, feiert die erste Messe im Heiligtum jenseits des Tiber,
eilt dann zur Ostiensischen Straße, um den Ritus zu erneuern."

So beschreibt Prudentius im 4. Jahrhundert die Paulsbasilika und die Feierlichkeiten zur zweiten Messe am Apostelfest. Erst im achten Jahrhundert wurde das klassische Konzept der Doppelfeier von einer neuen Auffassung überworfen. Man sah noch mehr als vorher die Einheit in der Predigt Peters und Pauls, ein einziger Beginn der römischen Kirche, ein Fundament für das geistliche Gebäude, zwei Augen in einem Leib, zwei Schlüssel zur einen Erlösung.
Wenn man das Fest vom 30. Juni betrachtet, sollte man aber dennoch die Geschichte des alten dies bifestus im Hinterkopf behalten.

Von der dritten Messe an der Via Appia, die die antiken Quellen beschreiben, ist kein eigenes Messformular erhalten. Ausgrabungen an der Basilica Apostolorum, der heutigen Basilika San Sebastiano fuori le mura, zeigen jedoch anhand der zahlreichen Graffiti aus dem dritten und vierten Jahrhundert die immense Bedeutung dieses Heiligtums. Papst Damasus hat die Pilgerstätte mit folgendem Epigramm versehen:

"Wisse, dass einst Heilige an dieser Stelle waren,
wenn du ihre Namen erfahren willst, es sind Petrus und Paulus.
Wir gestehen ein, dass der Orient uns seine Jünger entsendet hat,
Die durch Verdienst ihres Martyriums Christus in den Himmel gefolgt sind,
Und gingen ihrem Lohn im Reich der Seligen entgegen.
Rom aber behält das Recht ihrer Bürgerschaft.
O neu emporgestiegene Sterne, Damasus singt immer euer Lob."

Diese Inschrift spielt auf die von Gregor dem Großem überlieferte Tradition an, dass orientalische Christen kurz nach dem Martyrium der Apostel deren Leiber in ihre eigenen Länder zurückbringen wollten. Mit diesem Ziel brachten sie die Reliquien in das Versteck ad Catacumbas, wo sie noch rechtzeitig von den Römern aufgehalten wurden.

Wdh.: Fest der hll. Apostel Petrus und Paulus, Teil II

Station im Petersdom

Erste Messe im Morgengrauen 

Nach der feierlichen Vigil beginnt die Aurora-Messe, die mit unserem heutigen Messformular vom Tag identisch ist.
Der Introitus-Antiphon stammt aus der Apostelgeschichte (12, 11) und beschreibt das Erstaunen Petri, nachdem er aus der Ekstase seiner wunderbaren Befreiung durch den Engel wieder zu sich kommt: "Nun weiß ich sicher, dass der Herr seinen Engel gesandt hat. Er hat mich der Hand des Herodes und aller Erwartung des Volkes der Juden entrissen."

Die Kollekte bezieht sich in ganz besonderer Weise auf die römische Kirche: "O Gott, du hast den heutigen Tag durch das Martyrium deiner Apostel Petrus und Paulus geheiligt; lass nun deine Kirche in allem den Lehren derer folgen, durch die sie die Ausbreitung des Glaubens begonnen hat."
Die Lesung aus der Apostelgeschichte (12, 1-11) erzählt von der Gefangennahme und Befreiung Peters. Die ganze Kirche betet ohne Unterlass für seine Rettung, Gott aber hebt sich das Wunder bis zum letzten Moment vor der Exekution auf. Dies ist immer die Stunde Gottes; wenn keine menschliche Hilfe mehr zu erwarten ist, dann kommt die Stunde des Glaubens und der Wunder. Petrus selbst hat in seinem Vertrauen und seiner Angleichung an den Willen Gottes einen heroischen Tugendgrad erreicht. Er kann inmitten der Soldaten ruhig schlafen. Das ist die Seelenruhe, das Gewissen der Sicherheit, die mit dem Gnadenstand einhergeht. Petrus' Schlaf war selbst ein Akt des Vertrauens in Gott. Und von der göttlichen Vorhersehung wird niemand verlassen, der auf sie vertraut.
Diese Szene aus der Apostelgeschichte hat eine besondere Bedeutung in Rom und findet sich auf zahlreichen sarcophagi abgebildet. Der aus der Jerusalemer Gefangenschaft befreite Petrus ging in alium locum, einen anderen Ort. Er ging in die Siebenhügelstadt, um die Kirche Roms zu gründen.

Den Stufengesang teilt sich das Messformular mit dem Fest Andreas' am 30. November. Psalm 44 erzählt vom wunderbaren Wachstum der Kirche und ihre glorreiche Nachkommenschaft der Heiligen. "Du setzest sie als Fürsten über alle Lande, dein Name, Herr, wird stets gefeiert werden. An Stelle deiner Ahnen werden Söhne dir  geboren, drum werden dich die Völker preisen."

Allelujavers und Evangelium (Matthäus 16, 13-19) sind mit dem Fest vom 18. Januar identisch, Petri Stuhlfeier zu Rom, die allerdings seit der letzten Revision des tridentinischen Messbuchs nicht mehr gefeiert wird. Verständlicherweise steht das Motiv des päpstlichen Primats im Zentrum. Vielleicht erscheint uns heute ganz besonders der letzte Teil des Versprechens wichtig: "Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwinden." Damit sind nicht nur die Dämonen gemeint, sondern auch die die antichristlichen Autoritäten, die das göttliche Bauwerk zerstören wollen. Die ganze Geschichte der Christenheit finden in dieser Perikope seine Zusammenfassung.
                                                                   
Wie der Herr gewollt hat, dass im materiellen Teil der Sakramente die unsichtbare Gnade ein sichtbares Zeichen erhält, so sollte die Würde seines Statthalters auf Erden durch historische Ereignisse bedingt sein, damit jeder Gewissheit über die Kirche erhalten kann, die Petrus gegründet hat.
Der Offertoriumsgesang ist identisch mit dem vom 24. Februar. Das Stillgebet lautet wie folgt: "Herr, die Opfergaben, die wir darbringen, um sie deinem Namen zu weihen, begleite das Gebet der Apostel; du aber gib, dass es uns reinige und schütze."

Das gregorianische Sakramentar weist der Messe dieses Morgens eine Eigenpräfation zu, die heute unsere gemeinsame Präfation für alle Apostel ist. Ursprünglich ließ sich dieses Gebet nur auf Rom beziehen, das den Herrn ersuchte, die Apostel Petrus und Paulus, die ihr die Frohbotschaft gepredigt haben, mögen ihr Hirtenamt aus dem Himmel fortsetzen.
Die Präfation im reformierten römischen Missale, die wir folgend zitieren, ist zum Teil aus dem leoninischen Sakramentar entnommen, auch wenn die deutsche Übersetzung vom Original abweicht und Gemeinsamkeiten stärker verwischt:
"In Wahrheit ist es würdig und recht, dich, allmächtiger Vater, in deinen Heiligen zu preisen und am Fest der Apostel Petrus und Paulus das Werk deiner Gnade zu rühmen. Petrus hat als Erster den Glauben an Christus bekannt und aus Israels heiligem Rest die erste Kirche gesammelt. Paulus empfing die Gnade tiefer Einsicht und die Berufung zum Lehrer der Heiden. Auf verschiedene Weise dienten beide Apostel der einen Kirche, gemeinsam empfingen sie die Krone des Lebens. Darum ehren wir beide in gemeinsamer Feier und vereinen uns mit allen Engeln und Heiligen zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit..."
Diese Präfation lässt einen Teil der leoninischen Variante aus. In dieser steht, dass die beiden Apostel am gleichen Tag, jedoch zu verschiedener Zeit die Krone des Lebens empfingen. Dies bezieht sich auf die verbreitete Tradition, dass der hl. Paulus zwar am gleichen Tag, jedoch nicht im Jahr des Martyriums Petrus' starb.

Das Kommunionlied ist ebenfalls vom 18. Januar und mit dem Allelujavers identisch. Es erinnert daran, dass nur die Eucharistie rechtens ist, die in Gemeinschaft mit dem römischen Pontifex gefeiert wird, dessen Name seit den ersten Jahrhunderten in der anaphora genannt wird. In den Augen Ennodius von Pavias wird das Opfer entstellt, sollte in Verletzung ältester Tradition der Name des Papstes in der Messfeier nicht genannt werden.
Nun folgt das Dankgebet: "Behüte, o Herr, die du mit himmlischer Nahrung gesättigt hast, auf die Fürsprache der Apostel vor allem Unheil." Aus uns selbst heraus können wir nichts, vereinigt mit Christus alles. Wie Elias, der "aß und trank und durch die Kraft derselben Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis an den Berg Gottes Horeb ging." (3. Könige, 19, 8).

Wdh.: Fest der hll. Apostel Petrus und Paulus, Teil I

In der Oktav des Apostelfestes stelle ich hier einen letztes Jahr verfassten Dreiteiler wieder ein:

Wie kaum ein anderes Fest feierten die Römer ihre beiden Apostel. Es ist nicht nur das Fest der Apostelfürsten, sondern auch das Fest des päpstlichen Primats versinnbildlicht durch Petrus und Paulus, nicht nur natalitia apostolorum, sondern auch natalis urbis, das Geburtsfest des christlichen Roms, der Triumph des Kreuzes über Jupiter.
Wie am Weihnachtstag feierte die Kirche an diesem Tag drei Liturgien zu Ehren der Apostel, wie Ambrosius in seinem Hymnus singt: "Trinis celebratus viis, Festa Sanctorum Martyrum". Hieronymus' Martyrologium gibt zusätzlich an, dass neben den Stationen an den Gräbern Petri und Pauli die dritte Messe in Catacumbis gefeiert wurde. Das bringt uns zum 29. Juni des Jahres 258, als Valerian die Grabstätten konfiszierte und die Leiber der beiden Apostel auf einem Anwesen, bekannt als ad Catacumbas, versteckt wurden. Selbst als die Gebeine wieder in ihre ursprüngliche Grabstätte übertragen wurden, entwickelte sich auch dort ein Apostelkult, wie die immer noch bestehende Basilica Apostolorum beweist.
Dieses Datum, an dem die Schändung der Reliquien nur knapp verhindert wurde, vergaßen die Christen Roms nicht. Während man im Frankenreich und im Osten das Fest der Apostel an anderen Tagen, etwa am 27./28. Dezember oder nach Epiphanie feierte, blieb man in Rom dem 29. Juni treu. Durch den Einfluss des Papsttums setzte sich dieser Tag im Westen wie im Osten schließlich ganz durch.

Zu Beginn des 3. Jahrhunderts finden wir Zeugnis der Berühmtheit der Apostelgräber in der ganzen Christenheit. Eusebius überliefert die Worte des Presbyters Gaius gegen den Montanisten Proclus: "Ich kann dir die Gräber der Apostel zeigen, denn ob du zum Vatikan gehst, oder auf der Via Ostiensis, du wirst die Trophäen der Gründer dieser Kirche finden."
Als Gallienus der Kirche die Grabmäler zurückgab, war es wegen der Berühmtheit der tropaia genannten Bauten undenkbar, die Gebeine nicht zurückzuführen. Laut Liber Pontificalis geht die Initiative auf Papst Cornelius (251-2) zurück, wahrscheinlich fand sie aber später statt.
Konstatin und Helena bauten die beiden berühmten Basiliken über den Gräbern der hll. Apostel und statteten sie reichlich aus. Als die Basilika über dem Grab des Völkerapostels wegen des großen Besucherandrangs aus allen Nähten platzte, begann Valentinian III. mit dem Bau einer wesentlich größeren Kirche. Theodosius und Honorius setzten das Vorhaben fort, welches schließlich von Galla Placidia und Leo dem Großen beendet wurde. Letzterer übergab die Fürsorge der Gräber einem eigenen klerikalen Kollegium, den Cubiculares. Papst Simplicius ernannte später eine priesterliche Gruppe, die die Sakramente an den Grabstätten spendeten - viele baten an den Gräbern um das lebensspendende Wasser der Taufe und die Reinigung des Bußsakraments.
Nahe der Basiliken existierten vier vatikanische Klöster, die jedoch um das 10. Jahrhundert nicht mehr bestanden. Wie der große Liturgist Kardinal Schuster, selbst ehemals Abt der Benediktiner der Paulsbasilika, etwas süffisant bemerkt, "endeten die Mönche als Kanoniker", während jene "in St. Paul in ihrer Berufung und ihrem Eifer fester waren".
Das leoninische Sakramentar kennt 28 Messen für den 29. Juni. In ihnen finden wir zahlreiche Anspielungen auf die Plünderung Roms durch Genserich, der durch das Gebet Leos am Apostelfest aufgehalten wurde, damit die Römer ihre Feierlichkeiten in Ruhe begehen konnten.
Das gregorianische Sakramentar legt ein eigenes Fest für den Apostel Paulus auf den 30. Juni, wie es unser heutiges Missale hat. Auf seinem Grab waren folgende Zeilen zu lesen:

HIC · POSITVS · CAELI · TRANSCENDIT · CVLMINA · PAVLVS
CVI · DEBET · TOTVS · QVOD · CHRISTO · CREDIDIT · ORBIS

"Hier ruht der Paulus, der über die Himmel erhoben wurde,
und dem die ganze Welt ihren Glauben in Christus schuldet."

Die älteren Manuskripte bezeugen aber, dass die beiden Stationen für Petrus und Paulus am Vatikan und der ostiensischen Basilika am 29. Juni gehalten wurden.

Wdh.: Vigil am Grab der Apostel Petrus und Paulus

Auch wenn unser heutiges Messbuch nur noch eine Vigilmesse kennt, wissen wir z.B. aus den Aufzeichnungen Alcuins, dass im Rom des 8. Jahrhunderts zwei synaxes gehalten wurden; eine in Alt-St. Peter, die andere auf der Via Ostiensis.
Die Lesungen in den Nachtwachen beziehen sich vor allem auf den Apostel Paulus. Als aber in der Zeit Hadrians I. - einer der am längsten regierenden Päpste - die antike Liturgie Roms vereinfacht wurde, vertraute man die Vigilmesse des hl. Paulus den Mönchen in der nach ihm benannten Basilika vor den Mauern an. Die Codices kennen darauf nur noch die Messe, die im Petersdom unter großer Anteilnahme des Volkes zelebriert wurde. Die gesungenen Teile in diesem Messformular erinnern vor allem an Petrus, das Kirchengebet aber vereint die beiden großen Apostel, denn die Römer achteten mit peinlicher Genauigkeit darauf, sie niemals zu trennen.

Um die Leserschaft in der mehrteiligen Behandlung des Apostelfestes nicht all zu sehr zu ermüden, begnügen wir uns mit einer Betrachtung der Messe vom eigentlich Fest, die sich im Missale der außerordentlichen Form des römischen Ritus´ findet. Wir erlauben uns nur eine Bemerkung zum Introitus aus dem Johannesevangelium (21, 18f): ". . . [E]in anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst." Wer denkt da nicht an die Erscheinung Christi auf der Appische Straße, in der Petrus nach alter Legende den Herrn fragte: "Domine quo vadis?", und der Herr ihm mit dem Worten "Eo Romam iterum crucifigi" antwortete.

Das Apostelgrab - die in Kauf genommene
Asymmetrie der Nische deutete schon
vor den petrografischen und osteologischen
Untersuchungen auf die Besonderheit des Ortes hin
Gemäß des Ordo Benedikts des Kanonikers kamen Papst und Hofstaat im Nachmittag in St. Peter zusammen, um die Vesper zu singen. Danach fand die compotatio, eine Art zeremonieller Umtrunk, statt. Der Papst selbst brachte jedem höheren Kleriker, der an der Zeremonie teilgenommen hatte, einen Becher Wein. Das Abendessen fand im domus aguliae statt, danach ruhten sich Papst und Kardinäle bis zur Vigilfeier um Mitternacht aus.
Die Eingangsprozession schritt im Licht von Fackelfeuer durch atrium oder paradisus. Der Pontifex machte Halt, um das Grab von Leo dem Großen, dann von Gregor und schließlich die Altäre einiger anderer Heiliger, die zu dieser Zeit in Rom besondere Verehrung fanden, zu inzensieren.
Danach ging es zum Apostelgrab in der Krypta, welches ebenfalls beweihräuchert wurde; dann begann das eigentliche Vigiloffizium.

Wie in früheren Zeiten und bis vor kurzem in Ordensliturgien nicht unüblich, wurden jetzt zwei Matutin-Offizien gesungen. Das erste Amt wurde in der Krypta des Apostels gehalten, das zweite am Altar der Basilika. Die letzte der neun Lesungen, die Homilie über die Evangelienpassage, wurde vom Papst vorgetragen. Als der Oberste Hirte nach altem Brauch den Segen mit den Worten "Jube domne, benedicere erbat, wagte keiner der Anwesenden, den Segen zu sprechen. "Niemand segnet ihn", kommentiert Benedikt der Kanoniker, "wenn nicht der Heilige Geist". Daher antworteten alle mit dem Amen.
Alle im Chor teilnehmenden Kleriker erhielten ein Stipendium aus dem Almosengaben, die das Volk vor den Altar dargelegt hatte. Diese Tradition blieb im römischen Ritus in der Form erhalten, dass der Papst für jedes zelebrierte Hochamt im Petersdom vom Erzpriester der Basilika einen Beutel mit einigen Goldmünzen erhielt (s. Beitrag auf NLM).

Nach den Lesungen stimmte der Kantor das Te Deum an, gefolgt von den Kollekten und dem Pontifikalsegen. Damit endete die erste Nachtvigil.

Nun wurde der Altar der Confessio inzensiert, Matutin und Laudes im oberen Teil der Basilika gefeiert, gefolgt von der Messe. Und schließlich fand die Zeremonie seinen Abschluss in den traditionellen laudes zu Ehren des Papstes und der Krönung desselben mit der Tiara, denn "er sollte am Fest desjenigen  gekrönt werden, dessen Nachfolger er ist".  


Bis die Liebe alleine herrscht

Martyrium der Apostel Petrus und Paulus, Nordapsis der Klosterkirche von Müstair
Beate Pastor Petre clemens accipe
Voces precantum, criminumque vincula
Verbo resolve, cui potestas tradita,
Aperire terris caelum, apertum claudere.

O glückseliger Hirte Petrus, nimm gnädig auf die Worte der Bittenden und löse durch dein Wort die Fesseln der Sünde, da dir Gewalt gegeben ist, der Erde den Himmel zu öffnen, den offenen zu schließen.



Egregie Doctor Paule mores instrue,
Et nostra tecum pectora in caelum trahe:
Velata dum meridiem cernat fides
Et solis instar sola regnet caritas.

O vortrefflicher Lehrer Paulus, richte unsere Lebensweise ein und ziehe unsere Herzen mit dir empor zum Himmel, bis der noch umhüllte Glaube das Tageslicht schaut und die Liebe, ähnlich der Sonne, allein herrscht.
(Laudeshymnus zum Fest der Apostelfürsten, Übersetzung nach Die Hymnen des Breviers von Adalbert Schulte)   

Sonntag, 22. Juni 2014

Feuerspeiende Löwen


Im christlichen Kontext scheint mir auf den ersten Blick das Bild des Löwen reichlich negativ besetzt zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass der Apostelfürst jeden Abend in der Komplet warnt: "Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge." (1. Petr. 5,8) Und wenn wir das bekannte Zitat des hl. Ignatius von Antiochien hören, "durch wilder Tiere Zähne werde ich gemahlen", stellen wir uns da nicht auch Löwen vor, welche die frühen Märtyrer zerreißen?
Dabei hören wir in der Schrift nicht nur Schlechtes über das Löwengeschlecht. Der Löwe symbolisiert den Stamm Juda, aus dem David und Jesus Christus hervorgingen. "Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel.“ (Offb. 5,5)

Heute ist mir der Löwe in der Matutin-Lesung aus der Homilie des hl. Johannes Chrysostomos (46 in Joann.) vom im vorigen Beitrag erwähnten Fest begegnet. Hier ist es nicht der Teufel, der als fürchterlicher Löwe brüllt, sondern es ist der vom eucharistischen Mahle kommende Christ, der dem Satan zum schreckerregenden Löwen wird: 
Lasst uns von diesem Tische kommen wie Löwen die Feuer atmen, fürchterlich für den Teufel; an unser Haupt denkend, und an die Liebe, die er für uns gezeigt hat.

Sakrament der Liebe

Das Fest des Eucharistischen Herzens Jesu würde ich wahrscheinlich gar nicht kennen, fände es sich nicht im Diözesananhang meines Sommerbreviers. Aber seit ich es kenne, hat es sich geradezu in meinem Herzen eingebrannt und innig mit der eucharistischen Frömmigkeit verbunden.
"Er hat mich geliebt und sich für mich selbst hingegeben", schreibt der Apostel (Gal 2,20) schlicht und drückt damit aus, was auch Papst Pius XII. in seiner Herz-Jesu-Enzyklika schreibt: "Wir können ja behaupten, (...), dass niemand Jesus Christus am Kreuze richtig erfassen könne, dem nicht das geheimnisvolle Innere dieses Herzens sich eröffnet habe." Aus dem Herzen Jesu ist die Kirche geboren und die Gnaden der Sakramente. Daher schreibt der Hl. Vater direkt im Anschluss: "Es wird auch nicht leicht sein, die Kraft der Liebe zu erfassen, mit der Christus selbst sich uns zur geistigen Nahrung gab, wenn nicht in der besonderen Pflege der eucharistischen Herz-Jesu-Verehrung, die nach den Worten (...) Leos des XIII. erinnern soll 'an die Tat der höchsten Liebe, in der unser Erlöser, alle Reichtümer seines Herzens hinopfernd, um bis an das Ende der Zeiten bei uns zu bleiben, das anbetungswürdige Sakrament der Eucharistie einsetzte.'"

Die Kollekte vom Fest lautet wie folgt:

Herr Jesus Christus, 
der im Ausgießen der Schätze Seiner Liebe über die Menschen
das Sakrament der Eucharistie eingesetzt hat,
gewähre uns, so bitten wir Dich,
dass wir Dein gütigstes Herz immer lieben
und uns eines so großen Sakramentes stets würdig erweisen.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Repost: Kommunion Christi

Rex sedet in coena
          turba cinctus duodena,

Se tenet in manibus :
          se cibat ipse cibus.

Der König sitzt zu Tische, umgeben von den Zwölf,
In seinen Händen hält er sich, er speist sich selbst als Speise.

aus einem Glossar (Concord. Canon. Neg. Moyses, 87 Dist. 2 De Cons.

Fronleichnam anno dazumal

Limburg a.d. Lahn, 1953

Wir sagen Dir Dank, Gott
durch Deinen geliebten Knecht Jesus Christus
den Du uns in dieser letzten Zeit als Retter
Erlöser und Boten Deines Willens gesandt hast
der Dein von Dir untrennbares Wort ist
durch das Du alles geschaffen hast zu Deinem Wohlgefallen
den Du vom Himmel gesandt hast in den Schoß einer Jungfrau
und der, im Mutterschoß empfangen, Mensch wurde
und sich offenbarte als Dein Sohn
geboren aus dem Heiligen Geist und der Jungfrau
Der, Deinen Willen erfüllend und Dir ein heiliges Volk erwerbend
Seine Hände ausgebreitet hat, als Er litt,
um die von Leiden zu befreien, die an Dich geglaubt haben
Der, als Er aus freien Willen dem Leiden ausgeliefert wurde
um den Tod aufzuheben
um die Fesseln des Teufels zu zerreißen
und die Hölle niederzutreten
und die Gerechten zu erleuchten
und eine Grenze zu ziehen
und die Auferstehung kundzutun,
das Brot nahm und Dir danksagend sprach:
nehmt, esst, dies ist mein Leib, der für euch zerbrochen wird;
ebenso den Kelch in dem Er sprach:
dies ist mein Blut, das für euch vergossen wird. 
Wenn ihr dies tut, tut ihr es zu meinem Gedächtnis.

Eingedenk Seines Todes
und Seiner Auferstehung
bringen wir vor Dich, Herr, das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles,
danksagend, dass Du uns würdig gemacht hast
vor Dir zu stehen und Dir den priesterlichen Dienst zu erweisen.
Und wir bitten, Du mögest deinen Heiligen Geist
auf das Opfer der heiligen Kirche herabsenden
dass Du uns zu einem machst, und alle Heiligen
da an diesem Opfer teilnehmen
mit dem Heiligen Geist füllen mögest
zur Bekräftigung des Glaubens und der Wahrheit
und dass wir Dich loben und preisen können
Durch Deinen Knecht Jesus Christus,
durch den Dir Ehre und Herrlichkeit ist;
zum Vater, Sohn und Heiligen Geist
und Deiner heiligen Kirche
jetzt und in Ewigkeit.
Amen.

(Kanon der Traditio Apostolica)

Mittwoch, 18. Juni 2014

Die Heiligen des Alten Testamentes

Allmächtiger, ewiger Gott, der Du in Deinem auserwählten Propheten als wunderbar gepriesen wirst,
vermehre, wir bitten Dich, wie Du Deinen Propheten Elisäus mit des Elias Geist erfüllt hast,
in uns die Gnade des Hl. Geistes zur Übung tugendhafter Werke.

In jüngster Zeit wurde in manchen Teilen der Blogozese ein besonderes Augenmerk auf den Alten Bund und die Auslegung der Schrift im Lichte Christi gelegt. Ein weiterer Aspekt ist mir dabei kürzlich beim Breviergebet und Lesen dieses Beitrags von sophophilo über den unzumutbaren Elias aufgefallen: Kennen, schätzen und verehren wir die Heiligen des Alten Testamentes?
Ein Gedanke, der uns vielleicht nicht all zu nahe liegt. Die westliche Kirche scheint sich schwer zu tun mit den Gottesmännern, den Patriarchen und Propheten. Wenn man von Eigenriten der Orden absieht, fanden in die Liturgie allein die Makkabäerbrüder Einzug, aber auch deren uralter Kult überlebte nicht die Liturgiereform. Wer schon einmal den Makkabäerschrein in Sankt Andreas zu Köln gesehen hat, der wird sich kaum fragen müssen, warum ausgerechnete diese vorchristlichen Heiligen besondere Beachtung fanden. Ihr Martyrium und das ihrer Mutter zeichnete das Leiden Christi und Seiner Mutter, aber auch alle späteren Martyrien voraus. So lässt es sich auch auf einer Inschrift am Schrein lesen: "[D]ie sieben Leiber der Machabäer, die das Leiden unseres Heilandes andeuten, so wie ihre prächtige Mutter Salome, die vorwegnahm die Schmerzen der heiligen Maria."
Der Karmelitenorden sieht sich in der Tradition der Prophetensöhne des Elias und ihn gemeinsam mit seinem Schüler Elisäus als ihre Gründerväter. Demnach werden ihnen auch noch in der reformierten Messordnung liturgische Ehren zu Teil. Im Schuldbekenntnis nennen die Karmeliten wie alle alten Gemeinschaften ihren Ordensvater: beato Patri nostro Eliae.
Von diesen Ausnahmen abgesehen, man mag vielleicht auch noch das Gebet Supra quae propitio erwähnen, in dem von den Gaben Abels, dem Opfer Abrahams und Melchisedechs die Rede ist...wird es zumeist still um heiligen Vorväter, wie sie in den Ostkirchen gerne bezeichnet werden. Und in diesen wird wesentlich öfter an die Väter gedacht, die Griechen zum Beispiel haben gar fünfzehn Gedächtnisse von alttestamentlichen Heiligen.
Woran es nun genau liegt, dass die lateinische Liturgie so wenige Heilige des Alten Testamentes kennt, kann ich nicht genau sagen. Man findet oft das Argument, dass unsere Heiligenverehrung aus dem frühchristlichen Märtyrerkult erwachsen ist, und schließlich waren die Vorväter keine christlichen Märtyrer - allein die Makkabäer passen noch gut in das alte Martyrologium. Daran mag etwas dran sein, aber warum hat dann die Kirche des Ostens doch Platz gefunden für die Patriarchen und Propheten?

Aber in diesem Beitrag soll es eigentlich gar nicht darum gehen, ob die abendländische Kirche nun neue Heiligenfeste einführen sollte. Vielmehr stelle ich mir selbst die Frage, wie ich es mit den Männern des Alten Bundes halte. Kann ich oft vielleicht nicht so richtig Geschmack an ihren Geschichten finden, erregen sie Anstoß, wie sophophilo schrieb? Wenn sie das tun, dann sicherlich nur, weil ich zu wenig bereit, zu träge und bequem bin, mich auf sie und vor allem auf Gott einzulassen.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Schaue, Wanderer...

Im Prämonstratenserstift Tepl
Jesus hat jetzt viele, die sein himmlisches Reich lieben, aber wenige, die sein Kreuz tragen wollen; viele, die nach seinem Trost verlangen, wenige, die Leiden begehren. An seinem Tische findet er Gäste genug, bei seinem Fasten aber nur wenige. Alle möchten sich mit ihm freuen, wenige nur wollen etwas für ihn leiden. Viele folgen Jesus bis zum Brechen des Brotes, wenige bis zum Trinken des Leidenskelches. Viele verehren seine Wunder, wenige teilen sich mit ihm in die Schmach des Kreuzes. Viele lieben Jesus, solange ihnen nichts Widriges begegnet. 
(Thomas von Kempen, Die Nachfolge Christi)

Dienstag, 10. Juni 2014

Im Hause des Herrn

Verfallene Kirche im verödeten Sudetenland, zum Zeitpunkt der
Aufnahme dieses Fotos begann die Restaurierung
Auch wenn die Verbindung der Steine des Tempels aufgelöst und zerrissen zu werden scheint, (...) so wird doch um des Wortes willen: "Ihr seid Leib Christi und Glieder für euren Teil" (1 Kor 12, 27), der Tempel wieder aufgerichtet, und der Leib wird auferstehen am dritten Tage nach dem für ihn heranstehenden Tag der Bosheit, an dem darauf folgenden Tag der Weltvollendung. Denn es steht ein dritter Tag bevor im "neuen Himmel" und der "neuen Erde" (Offb 21, 2), wenn "dies Gebein", nämlich "das ganze Haus Israel", am großen Herrentag auferweckt wird und der Tod besiegt ist. So schließt die schon geschehene Auferstehung Christi aus dem Kreuzesleiden das Geheimnis der Auferstehung des ganzen Leibes Christi ein. (Origenes, In Io X, 35)

Manchmal wird das Auferstehen des ganzen Leibes schon in unserer Zeit vorgezeichnet. Durch das Wiedereinwohnen des dreifaltigen Gottes im Hause unserer Seele, nachdem wir für eine Zeit vergessen haben, dass der Körper Tempel des Heiligen Geistes ist . . . oder aber durch die Wiederherstellung des Kultes und die Wiederaufrichtung von heiligen Stätten.

Sonntag, 8. Juni 2014

Jam Christus astra ascenderat

Einer der womöglich ältesten Pfingsthymnen singt die Kirche zur Matutin des heutigen Festes. Der siebenfach gewälzte Ball ist die Erdenkugel, die sich zwischen Ostern und Pfingsten sieben mal sieben mal dreht.

Schon schwang sich Christus sternhinan,
In seinen Ausgang heimgekehrt,
Zu senden den durch Vaterhuld
Verkündigten, den Heiligen Geist.

Der feierliche Tag erglomm,
Da der im mystischen Siebenkreis
Versiebenfacht gewälzte Ball
Die Zeit des Segens kundbar macht.

Da, um die dritte Stunde, scholl
Der Erdball jäh vor allen auf
Und predigte den betenden
Aposteln von der Gotteskraft.

Von Vaters Leuchten als stammt
Die glänzende und hehre Brunst,
Die jedes christverschworne Herz
Mit Feuerstrom des Wortes füllt.

Die überschwemmte Seele jauchzt,
Vom Heiligen Geiste angeweht;
In Sprachen vielfach reden sie
Von Gottes großen Wirkungen.

Von allem Volke wohl erfaßt,
Barbaren, Römern, Griechischen,
Und angestaunt von jedermann,
Ist aller Sprachen voll ihr Mund.

Das Judenvolk, noch glaubelos,
Vom bösen Geiste toll gemacht,
Schmäht frevelnd Christi Zöglinge
Als jungen Weines Trunkene.

Mit Wundern doch und Tugenden
Tritt Petrus lehrend wider sie:
Die Leugner trügen Falsches vor;
Des muß ihm Joel Zeuge sein.

(Übersetzung aus dem Hymnarium von Hans Rosenberg)

In der Glut hauch Kühlung zu



Schon lange hast du mit deiner Gnade 
geheiligte Herzen erfüllt;
vergib auch unsere Sünden
und gewähre ruhige Zeiten.
(aus Beata nobis gaudia, Hymne der Pfingst-Laudes)

Samstag, 7. Juni 2014

Ich glaube an die verborgenen Heiligen

Das Windlicht beleuchtete das Mysterium der sogenannten Kirchenkrise kürzlich in Auszügen aus Im Winter wächst das Brot - Sechs Versuche über die Kirche der Ida Friederike Görres. Bei Pro Spe Salutis wurde dies noch durch den Hinweis auf die sich in drei Stufen entfaltende Familiengemeinschaft der Ekklesia in dem einzigen heiligen Leib ergänzt.
Mir fallen dazu ebenfalls noch einige Dinge ein. Eines davon ist ein Punkt, der sich auch bei Görres wiederfindet: Ich glaube an die verborgenen Heiligen. Ein Auszug aus Das Wesen des Katholizismus (1940) von Karl Adam.


In der Stille kämpfen sie hier auf Erden, die "Heiligen" Christi, das "heilige Volk" (1. Petri 2,9), nicht mit lautem Getön und mit großen Gebärden. Sie streiten nicht gegen die Menschen, sondern gegen die Sünde; sie ringen um die eine Perle, um den kostbaren Schatz. In knappen, anschaulichen Strichen ist ihr Bild in der Bergpredigt des Herrn gezeichnet. Es sind die "Armen im Geist", die Kleinen in Staat, Kirche und Gesellschaft, die Verkannten Geriggeachteten, die täglich ihren scheuen Weg der Pflicht gehen und sich nicht genug wundern können, daß der große heilige Gott auch bei ihnen sein will. Es sind die "Sanftmütigen", die niemals über das Leben murren und es immer am liebsten so nehmen, wie Gott es ihnen schickt. Es sind die "Trauernden", die in einsamen Nächten zu Gott klagen: Herr, nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine, und die zuletzt eben diesem Gott fröhlichen Herzens danken, daß sie mit Jesus leiden dürfen. Es sind, die "Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit", jene, denen nichts ferner liegt als behäbige Frömmigkeit und satte Tugend, denen vielmehr der eigene Unwert schmerzlich auf die Seele brennt, und deren Leben ein beständiges Sichausstrecken nach der Erlöserhand Jesu ist. Es sind die "Barmherzigen", denen fremde Not eigene Not ist, die über hartes Geröll, über Sünde und Schmutz den Weg zum darbenden Bruder finden, und denen kein Undank die Hand verkrampft. Es sind die "Herzensreinen", die Menschen mit lauterem Kindergemüt, die arglos Gütigen, Leuchtenden, für die das Leben ein Sonnentag ist, ein herzliches Plaudern: Abba, Vater! Es sind die "Friedensbringer", jene Menschen des Heiligen Geistes, der inneren Reife, des heiteren Gleichmaßes, von denen Ruhe und Friede ausströmt als wie von einem Gotteshaus, vor denen alle Zwietracht beschämt verstummt. Es sind endlich jene, die "um der Gerechtigkeit willen", um Seinetwillen" verfolgt werden, die apostolischen Seelen, die nimmermüden Arbeiter im Weinberg des Herrn, die in Wort und Schrift, in Lehre und Beispiel, "es sei gelegen oder ungelegen" (2. Tim. 4,2), für Seine Wahrheit Zeugnis geben. Sie suchen nicht das Ihre, weder Anerkennung von der Welt noch kirchliche Ehren. Sie suchen nur Seelen. Und darum ist ihr Schicksal Schmähung, Verfolgung und Haß. Denn an ihrem Wirken entzündet sich zumal der Kampf der Geister, der Hohn und das Gelächter der Weiden dieser Welt.

Kennen wir nicht auch diese Verborgenen, die im pilgernden Gottesvolk leise streiten? Wir leben auch jetzt immer noch in einer Gemeinschaft der Heiligen.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Überall, immer und von allen

Er (Papst Stephanus) hat dann in dem Schreiben, das damals nach Afrika gesandt wurde, folgende Verordnung getroffen: "Nichts Neues ist einzuführen gegenüber dem, was überliefert ist." Der heilige und kluge Mann erkannte nämlich, daß die Frömmigkeit nichts anderes gestatte, als daß alles mit derselben Treue den Kindern übermittelt werde, mit der wir es von den Vätern empfangen haben; daß ferner wir die Religion nicht dahin führen, wohin wir wollen, sondern ihr vielmehr zu folgen haben, wohin sie uns führt; daß es endlich das Eigentümliche der christlichen Bescheidenheit und Bedachtsamkeit ist, nicht das Eigene den Nachkommen zu überliefern, sondern das von den Vorfahren Empfangene zu bewahren. Was war nun damals der Ausgang der ganzen Angelegenheit? Kein anderer als der gewohnte und bekannte: man behielt das Alte und verwarf die Neuerung.
Hl. Kirchenvater Vinzenz von Lérins (†440), Commonitorium Kapitel 9, am Beispiel der Irrlehre der Wiedertäufer

Der hl. Vinzenz gibt eine affirmative Versicherung des Katholischen unter seinem Leitsatz „was überall, immer, von allen geglaubt worden ist.“ Das ist aber keine ausschließende Beschreibung, der Glaubensschatz kann Sätze der Lehre enthalten, die sich nicht immer in der Geschichte der Kirche explizit manifestierten. Was aber überall, immer und von allen geglaubt wurde, ja sogar nur was entweder von allen oder immer geglaubt wurde, ist in jedem Fall Teil des Glaubensschatzes; ein diesen Kriterien widerstreitender Satz kann niemals katholisch sein.
Von besonderem Interesse ist vielleicht auch folgende Passage: "Wie nun, wenn eine neue Seuche schon nicht allein einen kleinen Teil, sondern die ganze Kirche zugleich zu verpesten sucht? Dann wird er in gleicher Weise besorgt sein, sich ans Altertum zu halten, das in keiner Weise mehr von irgendeiner trügerischen Neuerung verführt werden kann." Der große Ekklesiologe Franzelin, der besonders segensreich am 1. Vaticanum mitgewirkt hat, kommentiert diesen Absatz wie folgt: "Hier wird an das Überlieferte für den Fall appelliert, dass zeitgenössische Kontroversen die Sicht vernebeln und es für eine Zeit schwer machen, den Glauben der ganzen Kirche festzustellen."
Wenn wir der apostolische Lehre anhängen, die wir von der Kirche empfangen haben, dann können wir im noch so trüben Fahrwasser nicht fehlgeleitet werden. 

Dienstag, 3. Juni 2014

Oremus pro Francisco mal anders

Aufgrund der jüngsten Abdankungsnachricht kam mir eine Fürbitte in den Sinn, die ehemals am Karfreitag in den Ländern der spanischen Krone verrichtet wurde:

Lasset uns auch beten für unseren katholischen Caudillo Francisco, dass unser Gott und Herr alle Barbarenvölker ihm untertan mache zu unsrem beständigen Frieden. 
Lasset uns beten. Beugen wir die Knie. Erhebet euch.
Allmächtiger ewiger Gott, in Deiner Hand sind die Gewalten und die Rechte aller Reiche, schau gnädig herab auf das spanische Königreich, dass die Völker, die auf ihre wilde Kraft vertrauen, durch Deine mächtige Hand gebändigt werden. Durch unsern Herrn. Amen.

Das Gebet fand früher für den Römischen Kaiser und die christlichen Könige Verwendung. In den älteren Schott-Ausgaben mit der alten Karwoche dürfte es ebenfalls noch abgedruckt sein, obige Fürbitte wurde aber auch nach der Reform der Heiligen Woche durch Pius XII. in Spanien weiter vorgetragen, während sie (freilich ohne Caudillo Francisco) in den Messbüchern der anderen Länder verschwand.

PS: In meinem ersten Spanienurlaub habe ich noch mit diesen beiden Herren bezahlt:

Interessant auch die unterschiedliche Prägung: Francisco ist von Gottes Gnaden
Caudillo, Juan Carlos anscheinend "einfach nur so" König von Spanien

Beten und erhört werden

"Wenn wir beten und erhört werden, so scheint es uns, der Wille Gottes neige sich zu uns. Es ist aber nur ein Hinaufsteigen unseres Willens; wir machen uns bereit und schicken uns an, das in der Zeit zu wollen, was Gott von aller Ewigkeit her für uns wollte."
Garrigou-Lagrange, Des Christen Weg zu Gott 

Sonntag, 1. Juni 2014

Das Buch des Monats: Innerlichkeit

Heute möchte ich eine neue Themenreihe beginnen, nämlich das Buch des Monats, und, wie der Name schon sagt, zu Beginn jeden Monats ein Buch vorstellen. Ich will mich da nun nicht zu sehr einengen, was die Art der Bücher angeht, sie werden von allgemein christlichem Interesse und bevorzugt leicht verfügbar sein.

Viele katholische Blogger schreiben, sie verstünden ihr Bloggen als eine Form des Apostolates. Selbst gehe ich nicht davon aus, mit meinen Beiträgen viele Andersgläubige zu erreichen, aber Apostolat ist sicherlich nicht nur Mission, sondern kann auch der inneren Erneuerung der Kirchenglieder dienen. Eine absolute Notwendigkeit besteht aber in jeder Form des Apostolates, ohne die jegliche äußere Tätigkeit niemals Frucht bringen kann: Das Glaubensleben, das Gebet, die Innerlichkeit. Und genau das erläutert der Trappistenabt Jean-Baptiste Chautard (1858 - 1935) in seinem Werk Innerlichkeit - Die Seele allen Apostolates. 

Der grundlegende Gedanke des Buches findet im folgenden Zitat seinen Ausdruck:
"Seit der Menschwerdung und Erlösung ist Jesus die Quelle - und zwar die einzige, dieses göttlichen Lebens, an dem teilzunehmen alle Menschen berufen sind. (...) Wer diese Grundwahrheit verkennen und glauben würde, auch nur die geringste Spur übernatürlichen Lebens erzeugen zu können, ohne es ganz und gar von Jesus zu empfangen - wahrhaftig, bei dem müßte man sich fragen, was größer sei, ob seine theologische Unwissenheit oder seine törichte Selbstgenügsamkeit. (...) Die Seele eines Apostels muß zuerst selbst von Licht durchflutet und von Liebe entflammt sein; dann erst kann sie durch ihr Strahlen andere Seelen erleuchten und erwärmen."
Dom Chautard will nicht alle Menschen zu Kontemplativen machen, er erkennt den Wert und die Notwendigkeit des aktiven Lebens an. Aber das noch so unermüdlich aktivste Leben im Dienste Gottes und der Kirche kommt nicht ohne das innere Gebet aus. Das Buch ist auch überhaupt kein Wegweiser für klausurierte Ordensleute, sondern gerade für jene bestimmt, die im Apostolat tätig sind.
Der Abt erklärt, was das innerliche Leben ausmacht, welche großen Vorteile und Früchte es für den Arbeiter am Weinberg und seinen Auftrag erwachsen lässt, aber auch welche große Gefahren die Vernachlässigung des Geisteslebens mit sich bringt. Zuletzt gibt der Autor noch ganz praktische Hilfen für die Innerlichkeit, für die Betrachtung und die Teilnahme an der Liturgie.

Dom Chautard, einst selbst Missionar in Brasilien gewesen, freute sich sehr über den großen Eifer des Gottesvolkes, der sich zu seiner Zeit in einer Vielzahl von neuen Tätigkeiten äußerte. Katholische Jugendfürsorge, Lehrlingsheime, Bahnhofsmissionen, Schulvereine, Frauenvereine, Gebetsapostolate, Gesangsvereine, Katholische Aktion uvm. Alles Apostolate, die ganz im Sinne eines heiligen Paulus aufkamen und den Notwendigkeiten ihrer Zeit Rechnung trugen: "Überaus gerne will ich alles aufopfern, ja mich selbst will ich opfern für eure Seelen." (2. Kor. 12, 15) und "Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde." (1. Kor. 9, 16).
Gleichzeitig aber sah er die große Gefahr der Veräußerlichung. Schon zu seinen Lebtagen (und wie vielleicht zu allen Tagen) galt das Gebetsleben, die Stille, die Betrachtung als altmodisch, vielleicht sogar als eine Form der Faulheit, nicht den scheinbar neuen Gegebenheiten angepasst. Wie viel mehr muss das nun für uns gelten? Der Trappist gibt für die tätigen Christen eine traurige Prognose dafür, vielleicht eine Prophezeiung, sollte die Innerlichkeit vernachlässigt werden:
"Sie könnten eines Tages durch einen äußerlich scheinbar unerklärlichen Mißerfolg sowie durch schwere geistige Schäden dafür gestraft werden und alsdann versucht sein, den Kampf aufzugeben und sich entmutigt zurückzuziehen."
Die "Innerlichkeit" Chautards hinterfragt kritisch die Motivation des Leser, aber ermutigt auch, gibt Anreiz und Inspiration zu einem größeren innerlichen Leben. In meinen Augen eine sehr große Hilfe gerade für den Blogger, aber eigentlich für jeden Christen. Der hl. Pius X., der als Vorbild für die Vereinigung von Innerlichkeit und Tätigkeit gelten kann, behielt das Buch übrigens stets griffbereit auf seinem Nachttisch.

Innerlichkeit - Die Seele allen Apostolates. Verlag Fassbaender, Wien, 2007. 326 Seiten ISBN 978-3-900538-56-9

Ältere Ausgaben auch unter dem Titel: "Innerlichkeit, die Seele jeder karitativen Tätigkeit"